Staatshilfe Arcandor wirbt mit neuem Investor
Düsseldorf - Arcandor buhlt um Staatshilfe: Sollte der Konzern das beantragte Geld erhalten, seien die Großaktionäre zu einer Kapitalerhöhung über 100 Millionen Euro bereit, sagte Vorstandschef Karl Gerhard Eick in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der "Wirtschaftswoche". Mit der italienischen Mediobanca sei zudem ein neuer Geldgeber gefunden, der 40 Millionen Euro der Gesamtsumme tragen wolle.
Vermieter, Zulieferer und andere Partner hätten im Falle einer Bürgschaft Unterstützung in der Größenordnung von 250 Millionen Euro zugesagt. Eick räumte zugleich ein, dass es mit dem Handelskonzern Rewe einen ersten Kontakt bezüglich der Reisetochter Thomas Cook gegeben habe. Gespräche seien aber nicht zustande gekommen.
Der Bürgschaftsausschuss des Bundes hat an diesem Donnerstag über den Antrag von Arcandor beraten. Das Unternehmen hat 650 Millionen Euro Staatshilfe und einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW über 200 Millionen Euro beantragt. Der Konzern, der schon seit längerem mit Problemen kämpft, sieht seine derzeit schwierige finanzielle Situation der Finanzkrise geschuldet.
Die Gespräche seien konstruktiv verlaufen, teilte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski mit. Zu Details wollte er keine Angaben machen. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte am Mittwoch eine zügige Prüfung des Antrags zugesagt. Die Zeit drängt, denn bereits bis zum 12. Juni muss Arcandor zwei Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro refinanzieren.
Mit einer Neuausrichtung, die zusätzlich bis zu 900 Millionen Euro kosten soll, will Eick Arcandor wieder in die Spur bringen. Die drei Luxuswarenhäuser stehen ebenso zur Disposition wie die Quelle-Filialen und andere Geschäfte. Karstadt soll sich auf Menschen mittleren Einkommens konzentrieren und die 55- bis 65-Jährigen zusätzlich ins Visier nehmen.