Stahlbranche Russen sollen Arcelor retten
Paris - Severstal-Chef und Konzerneigentümer Alexej Mordaschow werde mehr als 1,25 Milliarden Euro an Arcelor zahlen sowie seine Anteile an Severstal und am italienischen Stahlunternehmen Lucchini einbringen, teilte das luxemburgische Unternehmen heute in Paris mit. Die Fusion mit einem Umsatz von 46 Milliarden Euro solle Ende Juli beschlossen werden. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung seitens der Aufsichtsbehörden.
Arcelor und Severstal, größter russischer Stahlkocher, erklärten, beide Unternehmen wollten sich zusammenschließen, um den weltgrößten Stahlkonzern zu bilden.
Bislang ist der britisch-niederländische Konzern Mittal des indischstämmigen Lakshmi Mittal die Nummer eins auf dem Stahlmarkt, Arcelor die Nummer zwei.
Mittal Steel hatte in der vergangenen Woche sein Angebot für eine Arcelor-Übernahme um 34 Prozent auf 25,8 Milliarden Euro angehoben und damit den Druck auf die Arcelor-Führung erhöht, der Übernahme zuzustimmen. Die Arcelor-Aktie wird mit der erhöhten Mittal-Offerte mit knapp 38 Euro bewertet. Arcelor hat sich bislang nicht offiziell zu der neuen Offerte von Mittal geäußert, sich zuvor jedoch stets ablehnend gezeigt.
Die nun von Severstal vorgelegte Offerte bewertet Arcelor mit einem 36,6-prozentigen Aufschlag auf den Schlusskurs vom 25. Mai, teilte Arcelor weiter mit. Die beiden Konzerne streben laut der Vereinbarung ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von zehn Milliarden Euro und Synergie-Effekte in Höhe von 590 Millionen Euro an.
Im Rahmen der Vereinbarung werde der Severstal-Chef Mordaschow insgesamt 295 Millionen neu auszugebende Arcelor-Aktien zu einem Preis von 44 Euro pro Aktie erhalten. Der Milliardär werde mit einem Anteil von etwa 32 Prozent größter Arcelor-Aktionär. Die derzeitigen Anteilseigner von Arcelor sollen künftig 68 Prozent an dem neuen Unternehmen halten.
Arcelor-Chef Guy Dolle sagte heute, er rechne mit einer ausreichenden Unterstützung der Aktionäre für die geplante Fusion mit Severstal. Er sei zuversichtlich, dass die Mehrheit der Arcelor-Anteilseigner das Vorhaben annehmen werde, sagte Dolle dem Radiosender Europe 1. "Weil es ein freundlicher Zusammenschluss ist, ist die Chance auf einen Erfolg sehr groß", betonte er.
Nach Aussage Dolles hat der Zusammenschluss mit dem russischen Konzern keine Auswirkungen auf die Arbeitsplätze bei Arcelor. Das Unternehmen werde nach der Fusion seinen Namen und den Firmensitz in Luxemburg behalten.
Mittal bezeichnete den angekündigten Zusammenschluss von Arcelor und Severstal in einer ersten Reaktion als zweitklassig. Das Unternehmen teilte heute mit, es halte die eigene Offerte in allen Bereichen für überlegen. Die Entscheidung von Arcelor gegen die Mittal-Offerte sei "beispiellos" und enthalte den Aktionären eine wirkliche Wahl über die Zukunft des Unternehmens vor.
kaz/AFP/dpa/dpa-AFX/Reuters/Dow Jones