Standort-Ranking Manager lieben Deutschland
Berlin - Trotz Krise sehen Manager aus der ganzen Welt eine positive Zukunft für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Kein anderes europäisches Land werde die Krise so gut bewältigen wie Deutschland, heißt es in einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Befragt wurden Führungskräfte aus mehr als tausend international tätigen Unternehmen.
Standort Deutschland: Die Unternehmen wollen mehr investieren
Foto: DPA"Deutschland genießt ein so hohes Vertrauen, weil der Standort gezeigt hat, dass er schwierige Situationen erfolgreich meistern kann", sagte Peter Englisch von Ernst & Young bei der Vorstellung des Papiers am Donnerstag in Berlin.
Überraschend kommt die Einschätzung der Manager vor allem deshalb, weil Experten für Deutschland einen besonders harten Wirtschaftseinbruch vorhersagen. Der Internationale Währungsfonds glaubt, dass die Wirtschaft 2009 um 5,6 Prozent schrumpft - stärker als in den meisten anderen Ländern Europas. Forschungsinstitute und Bundesregierung sind sogar noch pessimistischer. Gehe es allein nach den Prognosen, dann erscheine Deutschland derzeit "als Hauptverlierer der Krise", sagte Peter Englisch.
Dennoch zeigen sich 86 Prozent der Umfrageteilnehmer "zuversichtlich", dass Deutschland gut aus der Krise herauskommen kann. Im internationalen Vergleich belegt die Bundesrepublik wie schon im Vorjahr Platz sechs der attraktivsten Wirtschaftsstandorte weltweit. An der Spitze des Rankings steht China, gefolgt von den USA und Indien.
Die große Mehrheit der befragten Unternehmer bewertet den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt positiv. 80 Prozent gaben an, sie seien "zufrieden". Jeder dritte Manager erwartet, dass sich die Attraktivität in den kommenden drei Jahren weiter verbessert. Nur elf Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.
Als Standortfaktoren schätzen die Unternehmer besonders die Infrastruktur in den Bereichen Transport, Logistik und Telekommunikation. Positiv schlagen auch die Qualität deutscher Hochschulen und die Qualifikation der Arbeitnehmer zu Buche.
Nach der Einschätzung von Ernst & Young tragen außerdem die Konjunkturpakete der Bundesregierung zum positiven Ergebnis für Deutschland bei. "Die Pakete sehen vor allem investive und weniger konsumtive Maßnahmen vor, das befürworten die Unternehmer", sagte Peter Englisch. Aus Sicht der Unternehmen sei es richtig gewesen, verstärkt in Infrastruktur zu investieren, anstatt etwa Konsumgutscheine an die Bevölkerung auszugeben.
Daneben spielen auch "weiche" Faktoren eine Rolle bei der Bewertung: Die Lebensqualität, das soziale Klima und die Kultur machen Deutschland für viele Manager besonders attraktiv.
Als negativ empfinden die Befragten dagegen das Arbeitsrecht, das zu unflexibel sei, hohe Arbeitskosten und die Steuerbelastung der Unternehmen. Insgesamt überwiegt aber der Optimismus. So ist die Neigung zu Investitionen in Deutschland sogar größer geworden - trotz aktueller Wirtschaftskrise. 31 Prozent der Manager geben an, dass ihr Unternehmen demnächst investieren wolle, im vergangenen Jahr waren es nur 28 Prozent.
Umgekehrt wollen immer weniger Firmen Aktivitäten ins Ausland verlagern. Derzeit plant dies jeder zehnte Befragte, im Vorjahr war es noch jeder fünfte. "Expansion und Auslandsinvestitionen zur Erschließung neuer Märkte stehen bei den wenigsten auf der Agenda", sagte Peter Englisch. Die Zeit für weitere Globalisierungsinvestitionen scheine vorerst vorbei - gute Aussichten für den Standort Deutschland.