Standort Wolfsburg: Betriebsrat empört über VW-Markenchef - DER SPIEGEL
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Standort Wolfsburg Betriebsrat empört über VW-Markenchef

Wochenlang schien der VW-Markenchef Wolfgang Bernhard abgetaucht, jetzt meldete er sich zurück: In Lederjacke, Jeans und gebräunt tauchte er bei der Vorstellung des neuen Cabrios Eos auf. Mit forschen Äußerungen zum Stellenabbau brachte er prompt die Arbeitnehmervertreter gegen sich auf.
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Wolfsburg – Bei seinem Auftritt in Athen machte Bernhard alle Hoffnungen zunichte, dass nach der Vertragsverlängerung von Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der Veröffentlichung guter Absatzzahlen wieder der alte VW-Kurs des Konsenses mit den Arbeitnehmervertretern eingeschlagen werden könnte: "Ich glaube nicht, dass wir langfristig überleben können, wenn wir sagen: weiter so", sagte er über die Lage des größten europäischen Autobauers.

Bernhard sagte auch, für die 1200 Beschäftigten in der Fertigung des Golf-4-Variant gebe es keine Arbeit mehr in Wolfsburg. Die Produktion des alten Golf-Kombis wird dort Mitte Juni geschlossen, das Nachfolgemodell soll in Mexiko gebaut werden.

Diese Ankündigung des Managers, sei "ein absolutes Armutszeugnis für die Leistung von Vorstand und Management", kritisierte der Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh. Das Problem sei lange bekannt gewesen und der Betriebsrat habe immer wieder darauf hingewiesen und Lösungen gefordert. Seine konstruktiven Vorschläge seien aber nicht diskutiert oder berücksichtigt worden. "Diese Situation ist genauso wenig überraschend gekommen wie Weihnachten." Der Betriebsrat habe deshalb "erhebliche Zweifel an dem Willen und Engagement des Unternehmens, überhaupt Arbeit für die Betroffenen zu generieren".

Der Schlagabtausch ist wohl nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte. Auf Bernhards Arbeitsplan steht die Sanierung der Marke VW ganz oben - insgesamt könnten 20.000 Jobs könnten davon betroffen sein.

Zum ersten Mal nannte der Manager am Montagabend einen groben Zeitplan für die laufenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat. "In den nächsten Monaten" sollten Ergebnisse vorliegen, spätestens bis Jahresende, kündigte er an. Zum aktuellen Stand der Verhandlungen sagte Bernhard aber nichts.

Inhaltlich blieb er hart. Auf die Frage, ob die komplette Schließung von erfolglosen Bereichen weiter denkbar sei, sagte er: "Ja. Da hat sich nichts geändert." Einen kleinen Hinweis darauf, wie eine Sanierung aussehen könnte, gab Bernhard aber doch: "Als ich mit Dieter Zetsche diese Geschichte hatte, haben wir maßgeschneiderte Lösungen für jedes Werk gefunden", sagte er. "Die Geschichte", das ist die Sanierung der Daimler-Tochter Chrysler, auf der Bernhards Ruhm als Automanager beruht.

Schnelle Entscheidung in Spanien

Zugleich betonte Bernhard, dass die Zuständigkeit für die teilweise verlustträchtigen Komponentenwerke weiter bei ihm liege. "Die Komponentenwerke bleiben bei der Stammmarke VW", deren Chef er ist. Nach einer VW-Aufsichtsratssitzung vergangene Woche hatten Gerüchte die Runde gemacht, Bernhard sei bei der Sanierung der Komponentenwerke entmachtet worden.

Wie schnell Bernhard entscheidet, wenn die Belegschaft nicht mitzieht, zeigt er gerade in Spanien. Dem streikgeplagten VW-Werk in Pamplona wird Produktionsvolumen weggenommen. "Wir finden es nicht amüsant, dass Kunden auf ihren Polo warten müssen", sagte er und kündigte an, dass "erhebliche Stückzahlen der Polo-Produktion" künftig im Werk Brüssel gebaut werden sollen. "Das Werk erwirbt sich damit kein Vertrauen", sagte er über Pamplona.

Eine gute Nachricht hatte der Manager aber auch dabei: Die Automarke Volkswagen hat in den ersten vier Monaten des Jahres einen Absatzrekord aufgestellt. Bis Ende April wurden weltweit 1,08 Millionen Autos ausgeliefert, 14,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. "Wir haben einen Blitzstart hinbekommen, die Produkte waren voll verfügbar", sagte Bernhard.

Der Golf verkaufe sich weiterhin gut, der Passat sei nach dem Modellwechsel jetzt voll verfügbar und der Facelift des Polo schlage sich in guten Verkäufen nieder. Der Manager machte aber auch klar, dass die Verkaufserfolge nicht die Probleme der westdeutschen VW-Werke lösen können.

Und das neue Cabrio Eos, nach der griechischen Göttin der Morgenröte benannt, soll den Erfolg fortsetzen: 15.000 Vorbestellungen lägen schon vor, freute sich Bernhard, obwohl der Wagen erst am 19. Mai zu den Händlern kommt. Das Auto wird allerdings nicht in Deutschland, sondern in Portugal gebaut.

itz/AP/dpa-AFX

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