Standorttausch: Post gibt hunderte Filialen an Postbank ab - DER SPIEGEL
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Standorttausch Post gibt hunderte Filialen an Postbank ab

Die Post will ab dem kommenden Jahr 850 Filialen an die Postbank abtreten, die damit zum ersten Mal in Eigenregie Zweigstellen betreibt. Analysten mutmaßen, dass die Post damit den möglichen Verkauf der Banktochter vorbereiten will.
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Bonn - Bislang betreibt die Postbank   keine eigenen Filialen und ist als Untermieter in den Zweigstellen ihres Mutterkonzerns präsent. Dafür zahlt sie der Post   ein Mietentgelt. Dieses System soll 2006 und 2007 an den ausgewählten Standorten geändert werden - sie werden künftig von der Postbank in Eigenregie geführt.

Die übrigen über 11.000 Niederlassungen seien nicht betroffen, teilten beide Unternehmen heute mit, dort bleibe es bei der bisherigen Arbeitsteilung. Zudem sollen alle gängigen Dienstleistungen der Post auch nach dem Regiewechsel in den 850 ausgewählten Filialen angeboten werden.

Ziel der Maßnahme sei es, die Vertriebskraft der Postbank zu stärken, so die Post. Vor allem im Geschäft mit beratungsintensiven Produkten erziele das Institut deutliche Zuwächse. In den betroffenen Außenstellen werde rund 80 Prozent des Neugeschäfts der Postbank getätigt.

9500 Mitarbeiter betroffen

Von der Übertragung der Filialen sollen auch 9500 Mitarbeiter betroffen sein, die dann möglicherweise zur Postbank wechseln müssen. Es würden bereits Gespräche mit der Gewerkschaft zu der Neugestaltung geführt.

Die Post teilte mit, ihre "langfristig angelegte Mehrheitsbeteiligung" werde durch das Filialprojekt nicht berührt. In der Vergangenheit hatte Post-Chef Klaus Zumwinkel gesagt, sein Konzern wolle "für immer" an dem Institut festhalten.

Trotzdem nährte die Umstrukturierung erneut die Gerüchte, die Postbank könne zum Verkauf vorbereitet und von einer Großbank übernommen werden. In der Vergangenheit hatten Post-Vertreter immer wieder argumentiert, die enge Verflechtung der Filialen schließe einen Verkauf des Instituts aus.

"Das ist ein Schritt in die Unabhängigkeit", sagte nun Analyst Konrad Becker von Merck Finck zu den Plänen, und: "Bisher war ein Verkauf sehr problematisch, weil der Vertrieb der Postbank über Filialen eines fremden Unternehmens erfolgt." Metehan Sen, Branchenexperte bei Sal. Oppenheim, sagte: "Bisher war die Postbank eine Bank ohne eigene Filialen." Damit sei das Institut "wie ein Auto ohne Motor" gewesen. Dies solle sich nun ändern.

Ver.di will Aufklärung

Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank   kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt, die im Privatkundengeschäft besonders erfolgreiche Postbank zu kaufen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte dann im September gesagt, eine Übernahme des Instituts sei "im Moment keine Option".

Eine Ver.di-Sprecherin betonte heute in einer ersten Reaktion: "Die Postbank soll im Konzern verbleiben und nicht verkauft werden." Bei einem Wechsel der betroffenen Mitarbeiter zur Postbank dürfe es zudem "keine Benachteiligungen über Einschnitte" für die Betroffenen geben. Die Gewerkschaft warte auf konkrete Informationen des Konzerns zur Ausgestaltung der Pläne.