Starbucks-Erfolgsidee Kaffeesatz gibt's gratis als Dünger
Seattle - "Die Würmer lieben ihn", sagt Spencer Orman - und nicht nur die Würmer. Orman, ein Hobby-Gärtner und Kompost-Freund aus der Kaffee- und Softwaremetropole Seattle ist ganz freudetrunken angesichts des Service-Angebotes aus dem Hause Starbucks . Unter dem Motto "Böden für eure Gärten" verschenkt der Coffeeshop-Filialist in den USA neuerdings Fünf-Pfund-Tütchen mit Kaffeesatz. Ein ziemlich populärer PR-Gag, wie es scheint.
"Wir stoßen auf ein unglaubliches Ausmaß an Interesse", jubiliert Ben Packard. Er übt das Amt des "Umweltvorstands" bei der weltgrößten Kaffeehauskette aus. Bisher vergibt die den stickstoffreichen Düngestoff vor allem in den 420 Filialen in und um Seattle. Dort aber ist die Produktidee richtig eingeschlagen. "In Seattle riechen jetzt sogar die Blumenbeete nach Kaffee", titelt die Nachrichtenagentur Reuters, vermutlich mit minimaler Übertreibung.
Einmal Tazo Iced Chai Tea und Dünger
Starbucks hat sich inzwischen entschieden, landesweit mit dem Gratis-Düngemittel an den Start zu gehen - und schon einen passenden Anlass gefunden. Am 22. April wird in den USA der "Earth Day" begangen, und an eben diesem Tag will der Konzern den nahrhaften Kaffeesatz in 4000 Filialen anbieten. Nach einer einmonatigen Werbephase soll das Angebot nur in jenen Städten weitergeführt werden, in denen es sich als besonders populär erweist. Die Vermutung: Gerade in Städten mit feuchtem aber mildem Klima werden die Gärtner in die Filialen strömen.
Für die findigen Kaffeekocher hat die Idee gleich mehrere bestechende Vorteile, auch jenseits des reinen Werbe-Effektes. Vor allem ökologisch denkende Gärtner, die jegliche Chemie im Dünger verabscheuen, fahren oft Umwege, um sich den Düngestoff abzuholen - und kaufen vielleicht noch einen Tazo Iced Chai Tea Latte dazu, wo sie schon da sind.
Koffein fürs Gartengetier
Die Verschenk-Aktion erlaubt es außerdem, Kosten zu sparen - in nicht unbeträchtlichem Umfang. Rund ein Fünftel des Abfallvolumens, das bei Starbucks anfällt, ist Kaffeesatz - nach Gewicht sind es sogar 40 Prozent. Wenn möglichst viel dieser Kilos von Gästen mitgenommen werden, spart Starbucks Müllgebühren.
Um auch die letzten zu überzeugen, hat Starbucks die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der Uni Washington auf seiner Website veröffentlicht. In einer Tabelle ist aufgelistet, wie viel Kalzium, Magnesium, Phosphor und Schwefel der Bodensatz enthält. Außerdem steht da, welche Art von Beeten man wie dick bestreuen sollte. Gärtner wie Orman müssen freilich darauf achten, nicht die falschen Pflanzen zu düngen - nicht jedes Gewächs verträgt die säurehaltigen Reste.
Ob seine Würmer auch einen Koffein-Kick von den Kaffee-Residuen bekommen, wurde Hobby-Gärtner Orman gefragt. "Das ist wissenschaftlich nicht nachgeweisen", antwortete er. "Aber ich habe daran keinen Zweifel."