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RUHRKOHLE Starke Helfer

Mit Tricks und Drohungen kämpfen die Eigentümer der Ruhrkohle AG um die Macht im Konzern. *
• aus DER SPIEGEL 14/1984
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für Mannesmann-Chef Franz Josef Weisweiler waren die Politiker die Sündenböcke: Wegen der Regierungen in Bonn und Düsseldorf klagte der Manager, käme nichts so recht voran.

Heyo Schmiedeknecht vom Vorstand der Harpener AG wiederum sah die Versager ganz woanders. Es seien die Manager der Veba, »die alles blockierten«.

Veba-Chef Rudolf von Bennigsen-Foerder fand dagegen, die Westdeutsche Landesbank (WestLB) sei »eine nicht zu

überbrückende Hürde«. Er ahne nur, daß »da was im Busche« sei.

Das war es in der Tat. Am Mittwoch vergangener Woche hatten sich die Aktionäre der Ruhrkohle AG (RAG) in der Essener Zentrale getroffen, um endgültig über die künftigen Besitzverhältnisse zu entscheiden. Seit geraumer Zeit bereits wollen sich nämlich einige RAG-Eigentümer von ihrer Beteiligung trennen. Nach der RAG-Satzung aber ist das nicht so einfach.

So können andere Aktionäre nur mit Zustimmung einer 75-Prozent-Mehrheit die angebotenen RAG-Papiere erwerben. Die Aufnahme neuer Gesellschafter bedarf sogar der Genehmigung aus Bonn und Düsseldorf.

Doch gerade jetzt, da der deutsche Bergbau durch den geringeren Verbrauch der Stahlwerke und einen weltweiten Tiefstand der Kohlepreise wieder in Not geraten ist, da an der Ruhr 15 Millionen Tonnen auf Halde liegen, ist unter den Aktionären ein Machtkampf entbrannt.

Zwei Eigentümer-Blöcke stehen sich gegenüber. Den einen führt die Veba, mit 27,2 Prozent der RAG-Aktien größter Gesellschafter, den anderen die Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG (VEW) aus Dortmund, die nur 0,2 Prozent des RAG-Kapitals vertritt.

Das Tauziehen um die Macht bei der Ruhrkohle AG, die in ihren 24 Zechen rund 70 Prozent der deutschen Steinkohle fördert, begann vor rund zwei Jahren. Damals hatten einige der Stahlkonzerne, die insgesamt die Hälfte der Ruhrkohle-Aktien besitzen, ihre Absicht erklärt, aus dem Gesellschafterkreis auszusteigen und den Verkaufserlös in die Sanierung ihrer Hütten zu stecken.

Veba-Chef von Bennigsen wähnte sich einem langersehnten Ziel nahe. Die Veba macht vorwiegend Geschäfte mit Kernkraft, Importkohle und Öl - die Ruhrkohle ist ein lästiger Konkurrent, über dessen weiteres Schicksal von Bennigsen gern mitbestimmen möchte.

Aus seiner Meinung über die Traditionsbranche hatte er noch nie einen Hehl gemacht. Die Vorrang-Politik für Kohle, so von Bennigsen bei jeder Gelegenheit, müsse ein Ende haben.

Die attraktiven Teile des Kohlekonzerns wüßte von Bennigsen zudem bei der Veba gut zu verwerten. Die RAG ist an den in der Kohleveredlung tätigen Rütgerswerken und an der Contigas beteiligt. Hätte von Bennigsen die Mehrheit an der Ruhrkohle, könnte er leichter diese Beteiligungen kaufen.

Bei seinen ehrgeizigen Plänen zählt der Veba-Chef auf starke Helfer. Die Christliberalen in Bonn verfolgen die gleichen Ziele wie von Bennigsen: Die Bundesregierung ist daran interessiert, daß in der Kohlebranche über das beschlossene Schrumpfprogramm hinaus weiter abgebaut wird.

Den Bonnern wäre es recht, wenn ein Manager die Rolle des harten Sanierers übernähme. Massenentlassungen zwischen Duisburg und Dortmund würden von den Wählern dann eher den in Düsseldorf regierenden Sozialdemokraten angekreidet.

Die Sozialdemokraten ahnten, was auf sie zukommt. »Die Ruhrkohle soll«, befürchtet NRW-Wirtschaftsminister Reimut

Jochimsen, »zum bloßen Förderknecht« verkommen.

Richtig aufgeschreckt wurde die Landesregierung aber erst, als die Veba Ernst machte. Von Bennigsen hatte schon vor Monaten mit dem Röhrenkonzern Mannesmann vereinbart, dessen 7,4 Prozent an der Ruhrkohle zu kaufen.

Da die Veba sich sicher wähnte, auch an die anderen RAG-Pakete der verkaufswilligen Stahlkonzerne zu kommen, trickste von Bennigsen mit Mannesmann beim Preis. Er wollte ein Signal für die Verhandlungen mit den anderen Verkäufern setzen.

Offiziell zahlt die Veba für eine 100-Mark-Aktie der Ruhrkohle 80 Mark - einen lächerlich geringen Betrag. Nach diesem Aktienkurs wäre der gesamte Kohlekonzern nur 300 Millionen Mark wert. Branchenexperten aber taxieren allein die Haldenbestände und das Beteiligungsvermögen der Ruhrkohle auf einige Milliarden Mark. Da auch von Bennigsen dies weiß, gibt er, nebenbei, Mannesmann für das RAG-Paket noch eine gutgehende Firma aus dem Veba-Besitz ab.

Doch kurz vor dem Aktionärstreffen am Mittwoch vergangener Woche, auf dem der Veba-Chef die Zustimmung seiner Eigentümer-Kollegen zu dem Geschäft mit Mannesmann einholen wollte, handelten seine Widersacher.

Im Zusammenspiel mit der Düsseldorfer Landesregierung vereinbarte die WestLB mit dem Altaktionär VEW die Beteiligungsgesellschaft für Energieunternehmen mbH zu gründen. Alle RAG-Aktien, die Bank-Chef Friedel Neuber und sein neuer Berater Manfred Lennings, der im November 1983 abgelöste Vorstandsvorsitzende der GHH, herbeischaffen konnten, wollen sie in den neuen Pool packen. Die Düsseldorfer Staatsbank sicherte sich die RAG-Pakete von Krupp Stahl und der Harpener AG. VEW brachte die RAG-Papiere des bundeseigenen Salzgitter-Konzerns ein.

Als von Bennigsen am Mittwoch vorschlug, den Ruhrkohle-Anteil der Veba auf 34,6 Prozent aufzustocken, enttarnte sich die Gegenseite: Die hatte es auf 22 Prozent des Kohlekapitals gebracht. Weitere 13 Prozent sind ihr sicher.

Der überraschte Veba-Chef wurde grob. Er werde es »auf keinen Fall zulassen«, und da sei er sich mit Bonn einig, daß die Westdeutsche Landesbank und damit das Land Nordrhein-Westfalen »hier reinkommt«. Eher werde er auf den Zukauf des Mannesmann-Besitzes verzichten, dann sollte lieber »alles beim alten bleiben«.

Das aber wird es nicht. Denn Neuber und Lennings haben einen Dreh gefunden, wie die Landesbank am Veto der Veba und Bonns vorbei indirekt in den Gesellschafterkreis schlüpfen kann.

Die WestLB nämlich ist sich mit den französischen Eigentümern der Firma Sidechar, die seit Jahren acht Prozent des RAG-Kapitals besitzt, einig geworden: Die Sidechar soll ganz in den Besitz der WestLB übergehen und Lennings RAG-Aufsichtsrat werden.

Dagegen ist von Bennigsen machtlos. Der Kauf von RAG-Aktien ist zwar zustimmungspflichtig, nicht aber der Kauf einer Firma, die an der RAG beteiligt ist.

Friedel Neuber ist ganz stolz auf diesen Trick. Das sei so, erklärt der Landesbankier, »als ob ich einen Mantel kaufe, in dessen Taschen zufällig Ruhrkohle-Aktien sind«.

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