Starker Dollar: Euro weiter unter Druck - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Starker Dollar Euro weiter unter Druck

Der Euro kommt aus seinem Tief nicht heraus. Die Händler verlieren offenbar immer mehr Vertrauen in die Europäische Zentralbank (EZB). Zeitweise rutschte am Dienstag der Kurs der Einheitswährung auf 0,9665 Dollar.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tokio/London - Für den schwachen Eurokurs sei jedoch nicht nur die Geldpolitik der EZB verantwortlich, sondern auch diverse politische Krisen in Europa, sagten Händler in Tokio und London. Da sei zum einen die mögliche Beteiligung der rechtsgerichteten FPÖ an der Regierungskoalition in Österreich. Zum anderen belaste schon seit Wochen die CDU-Affäre um Ex-Kanzler Helmut Kohl den Kurs. Außerdem erstarke der Dollar immer mehr und erhöhe so zusätzlich den Druck auf die europäische Gemeinschaftswährung.

Die US-Notenbank werde voraussichtlich am Mittwoch die Zinsen anheben. Deshalb transferierten viele Anleger ihr Geld in die Vereinigten Staaten, hieß es. Zudem verliefen die Vorwahlen für die Präsidentschaft in Amerika bisher ohne Störungen, und die US-Wirtschaft stelle im Februar mit 107 Monaten Wachstumskurs einen Boom-Rekord auf.

Eine Zinserhöhung in der Euro-Zone wird derweil von den Händlern noch nicht für diesen Donnerstag erwartet, aber auch nicht ganz ausgeschlossen. Der Euro, der zeitweise mit 96,65 US-Cents ein neues Rekordtief erreicht hatte, pendelte am Morgen um 97 Cents und lag damit einen Cent unter dem EZB-Referenzkurs des Vortages von 97,91 Cents. Ein Dollar hat sich inzwischen wieder auf 2,0170 Mark verteuert.

Der Euro wird nach Einschätzung von technischen Analysten bis auf 96,40 Cent fallen können. Erst wenn ihm zum Handelsschluss ein Comeback über die psychologisch wichtige Marke von einem Dollar gelinge, sei mit einer weiteren Befestigung zu rechnen, hieß es in London.