Starter-Kits II Die spinnen, die Numismatiker!
Hamburg - Falls der Weg zur Bank zu beschwerlich ist, kann man die Starter-Kits auch über das Internet bestellen. Auf der Webseite des Auktionshauses Ebay finden derzeit mehr als 300 Auktionen statt, bei denen Starter-Kits feilgeboten werden.
Bei Ebay gibt es belgische, französische und portugiesische Starter-Kits - und natürlich deutsche. Die Preise sind allerdings kaum nachvollziehbar. So bietet etwa der Auktionator "fundmvolk" einen deutschen Kit der Münzprägeanstalt Hamburg (Prägekürzel "J") an - und ein Käufer namens "mscheffi" ist bereit, dafür 31,50 Euro zu zahlen. Euromünzen, dreimal so teuer wie bei der Bank? Man muss nicht Betriebswirtschaft studiert haben, um das ein wenig gaga zu finden.
Numismatischer Mumpitz
Bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main findet man das Ganze nicht besonders komisch. "Wir begrüßen das nicht", so ein EZB-Sprecher, "das ist nicht im Sinne dessen, was wir uns gedacht haben". Auch die Bundesbank weist darauf hin, dass die Starter-Kits "in erster Linie für die Bevölkerung gedacht sind, nicht für Münzsammler".
Strafbar ist der Handel mit den Münzen jedoch nicht. Offenbar hoffen einige Sammler, dass die meisten Bürger ihre Kits - ganz im Sinne des Erfinders - Anfang kommenden Jahres aufreißen und das Geld ausgeben. Deshalb könnten die verschweißten Päcken vielleicht in einigen Jahren zum wertvollen Sammlerobjekt werden. Vielleicht. Bei einem Angebot von insgesamt 53,3 Millionen Starter-Kits dürfte sich die Wertsteigerung etwas hinziehen. Also eher eine langfristige Anlage?
Michael Weigmann, Geschäftsführer der Deutschen Numismatischen Gesellschaft, hält das Ganze für "Mumpitz". Er habe selbst darüber nachgedacht, ob man mit den Kits vielleicht ein Geschäft machen könnte, die Idee dann aber verworfen. "Wer jetzt 30 Euro für einen Starter-Kit ausgibt", so Weigmann, "der will doch irgendwann 100 Euro dafür haben. Wer darauf spekuliert, der hat sich geschnitten."