Stefanie Jantos: Erste Hoffnung - DER SPIEGEL
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Stefanie Jantos Erste Hoffnung

Porträt: "Das Ziel war zum Greifen nah" Bisher hat Stefanie Jantos mit ihren Bewerbungen nur herbe Enttäuschungen erlebt. Seit Montag kann sie auf einen Einstieg hoffen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

19. August 2002

Danke fürs Daumen drücken, es hat geholfen!

Ab 02.09.2002 werde ich für 3 Monate in Düsseldorf tätig werden. In diesen 3 Monaten werde ich intensiv auf ein neues 3D Programm geschult, das ich hinterher vermarkten soll. Leider arbeite ich in den 3 Monaten "nur" auf Provision, aber ich hab ja nichts zu verlieren und die Provision kann sich sehen lassen, falls es zu einem Verkauf kommt.

15. August 2002

Es hat sich was ereignet. Auf Grund meines Erscheinens im SPIEGEL am Montag rief mich eine Firma aus Düsseldorf an. Ich habe die Bewerbung sofort losgeschickt und schon am Mittwoch eine Einladung zum Gespräch am Freitag bekommen. Ist das nicht toll!?! Also, drücken Sie mir bitte morgen um 11.00 Uhr die Daumen, und ich schreibe Ihnen sofort, was passiert ist.

13. August 2002

Eine Woche vor meiner Rückkehr nach Deutschland bekam ich von einer Firma in Oldenburg eine Einladung zum Vorstellungsgespräch Anfang Mai und freute ich mich sehr darüber. Als ich dort in einem teuren Hosenanzug erschien, musste ich feststellen, dass mein Gesprächspartner eine ausgewaschene Jeans und ein relativ altes T-Shirt anhatte.

Das Gespräch lief dennoch sehr gut, und die Firma zeigte auch großes Interesse an mir und meinen Fähigkeiten. Mir wurde nichts vorgemacht: Ich würde zunächst das "Mädchen für alles" sein und einmal in der Woche mindestens bis 22.00 Uhr arbeiten - selbstverständlich unentgeltlich. Dies wäre nicht zu einem Problem geworden, schließlich wollte ich Arbeit finden. Als mich der Interviewer fragte, was denn meine Gehaltsvorstellung wäre, antwortete ich 32.000 Euro. Er sagte darauf, dass das wohl nicht möglich sei.

Zu unserem zweiten Gespräch kam dann noch ein junger Mann dazu, der in einem Business-Dreiteiler auftrat. Die beiden verunsicherten mich, weil sie ohne erkennbares Konzept fragten und sich ständig miteinander unterhielten. Dann kamen wir wieder auf das Gehalt zu sprechen. Mir wurden 23.000 Euro angeboten. Wäre ich im Einzelhandel geblieben, würde ich 21.000 Euro verdienen, und das bei geregelten Arbeitszeiten und einer Vergütung von Überstunden. Ich fand mich dennoch mit dem Gedanken ab und sagte zu mir selbst: "Steffi, in erster Linie geht es um Berufserfahrung, und dann kannst du ja weitersehen."

Am Ende des Gespräches sagte man mir, es würde mich jemand anrufen, um noch einen dritten Termin auszumachen, bei dem dann auch die Geschäftsführer anwesend wären. Als ich nach einer Woche immer noch keinen Anruf erhielt, rief ich selbst an. Man sagte mir, dass ich im Laufe der nächsten Wochen von ihnen hören würde. Wieder kam nichts. Ich rief noch ein paar Mal an, wurde aber immer nur vertröstet. Mitte Juni bekam ich eine E-Mail mit der Frage, ob ich noch Interesse an dem Job hätte. Ich antwortete unverzüglich, weil die Stelle schon am 1. Juli besetzt werden sollte. Am 29. Juli bekam ich dann die schriftliche Absage. Was ist das für ein Stil?