Stein im Safe - DER SPIEGEL
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GELDANLAGE Stein im Safe

In der Bundesrepublik werden von in- und ausländischen Gesellschaften immer häufiger Diamanten als inflationssichere Geldanlage angeboten. Dabei operieren die Verkäufer mit unrealistischen Gewinnversprechen.
• aus DER SPIEGEL 24/1971
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Retten Sie Ihr Geld mahnten in Frankfurt am Main meterhohe Plakate von allen Litfaßsäulen. Mit dem knalligen Werbetext wollte der stadtbekannte Uhren- und Schmuckwarenhändler »Meister Bergmann die Kundschaft zum Kauf von Brillanten animieren.

Großsprecherisch verkündete der hessische Uhrmachermeister: »Brillanten überspringen wertsteigernd jede Geldentwertung« Wohlhabenden Bürgern, die aus steuerlichen Gründen ihre Geld-Transaktionen lieber im Dunkeln abwickeln, versprach der Juwelen-Experte: »Meister Bergmann fragt nicht nach Ihrem Namen«

Ähnlich wie der Frankfurter profitieren seit einiger Zeit hunderte von Juwelenhändlern von der Inflationsangst der Bundesbürger. Neben Kaufhausern und Versandhändlern haben sich vor allein ehemalige IOS-Anlageberater auf den lukrativen Diamantenhandel gestürzt. So wurde im Bankenviertel von Köln eine frühere IOS-Zentrale in ein Diamond Office umgewandelt. Geschäftsführer des Büros. hinter dem die Diamond Trading Company EST (Ditraco, Firmensitz: Liechtenstein) steht, wurde der ehemalige Cornfeld-Reprasentant Dr. F. J. Schlüter.

An den Ilaustüren der Bundesbürger tauchen auch immer hautiger Vertreter anderer ausländischer Firmen au). Die Diamond Investments zum Beispiel verspricht in Anzeigen mit der Schlagzeile Diamanten eine Anlage ohne Herzklopfen« der Kundschaft »gleichmäßigen Wertzuwachs bei einem Höchstmaß an Sicherheit« --

Die Diamanten-Agenten versuchen ihren Käufern weiszumachen. daß ihre geschliffene Ware eine jährliche Wertsteigerung von 15 bis 20 Prozent bringt. Selbst angesehene Fachgazetten glauben an eine Zuwachsrate von gut zwölf Prozent pro Jahr.

Tatsächlich klettern aber die Brillantenpreise keineswegs so rasant. Denn im Gegensatz zur Gold- und Aktienbörse gibt es weder Tageskurse noch allgemeingültige Marktpreise.

Daß Diamantenhandel nicht risikolos ist, mußte selbst der größte Diamantenkonzern der Welt, die »De Beers Consolidated Mines Ltd«, erfahren. Die Manager des südafrikanischen Unternehmens, das 85 Prozent des Weltmarktes kontrolliert, verzeichneten im vergangenen Jahr einen Gewinnrückgang von 31 Prozent, weil sie die Diamanten-Preise stützen wollten und einen Feil ihrer Produktion auf Halde legten.

Dem deutschen Fachhandel machen in jüngster Zeit vor allem hochkarätige Steine Sorgen. Mußte der Kunde für einen lupenreinen Einkaräter noch vor Jahresfrist fast 10 900 Mark auf den Juweliertresen blättern. so sind solche Stücke heute schon für 7000 bis 9000 Mark zu haben. Der Frankfurter Prominenten-Juwelier Karl Friedrich zum Beispiel teilte seiner Kundschaft per Rundschreiben im Frühjahr mit, der »Einkaräter Top Wesselton lupenrein« koste nur noch 8350 Mark inklusive Mehrwertsteuer.

Der Fürther Versandhändler Gustav Schickedanz (Quelle) preist einen »halbkarätigen Solitär lupenrein weiß« in seinem neuesten Katalog für 1490 Mark an. 1965 kostete der »Große Star« (Werbetext) aber schon genausoviel.

Diese Preise werden von ausländischen Discountern freilich mühelos unterboten. Der einkarätige Top Wesselton, feines Weiß, lupenrein, ist bei der Diamond Trading Company beispielsweise für nur 7936 Mark zu haben.

Noch billiger können Diamanten sein, wenn Käufer die Steine per Brief erwerben und in London deponieren. Bei Diamond Investments ermäßigt sich »der sehr günstige Preis nochmals uni zehn Prozent«. Denn: »Sie sparen auf diese Weise die Mehrwertsteuer. die bei der Einfuhr nach Deutschland zu bezahlen wäre.

Auch Diamond Selection versucht. ihre Kundschaft dazu zu bewegen, die bei ihr gekauften Brillanten in London oder Zürich in den Safe schließen zu lassen. Kunden, die ihre Brillanten lieber zu Hause aufbewahren wollen. wird von den englischen Diamantbossen empfohlen, »das Siegel an der Klarsichtschachtel nicht zu beschädigen. »da sonst das Zertifikat -- -- -- ungültig und eine neue Expertise notwendig wird die erhebliche Kosten erfordert« --

Seriöse Fachleute sehen im Diamanten keineswegs eine unerschütterliche Wertanlage. Das belgische Fachblatt »Diamant« prophezeit zum Beispiel, daß Schwarz-Afrika. Indien und Rußland dem De-Beers-Konzern künftig zunehmende Schwierigkeiten bereiten werden. Der Umschlagplatz London. so meint die Fachpostille, müßte eines Tages »unter der Menge der Rohsteine ersticken«. Auch die deutsche Juwelier-Zeitschrift »Gold + Silber« hält es unter diesen Umständen für fraglich. »ob die Leute in Südafrika und London den Preis wirklich erhöhen können« --

Die euphorischen Versprechungen der Diamant-Händler erweckten bereits das Mißtrauen der Frankfurter »Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs«. So ließen die Verbandsfunktionäre Meister Bergmanns kesse Diamantenplakate durch die 6. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt kritisch unter die Lupe nehmen und verbieten.

Die Richter hielten Bergmanns Texte für »besonders verwerflich, weil bei einem Teil der Bevölkerung, vor allem den älteren Bürgern, die Leiden aus schlimmsten Notzeiten wachgerufen werden«. In ihrem Urteil qualifizierten sie die Werbesprüche als »Horror-Text« und stellten klar, »daß kein Geschäftsmann berechtigt ist, die Angst der Bürger vor einer Inflation als Vorspann für seinen Warenumsatz einzusetzen«.

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