Steinbrück und die Hedgefonds: Tapfer ins Dickicht - DER SPIEGEL
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Steinbrück und die Hedgefonds Tapfer ins Dickicht

Die Manager der milliardenschweren Hedgefonds werden nicht zittern wegen der Beschlüsse der G7-Finanzminister vom Samstag in Essen. Aber Peer Steinbrück hat erreicht, dass das Thema "Transparenz" überhaupt auf die Agenda gesetzt wurde. Ein beachtlicher Fortschritt.
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Essen - Viel wurde am Samstag noch nicht erreicht - aber Finanzminister Peer Steinbrück freut sich. Während der deutschen G7/G8-Präsidentschaft darf er weiter daran arbeiten, die hochspekulativen, bislang aber völlig unkontrollierten Hedgefonds zu zähmen. Mit weiter gehenden Beschlüssen war bei dem Essener Finanzministertreffen von vornherein nicht zu rechnen.

Steinbrück kann es sich schon als Verdienst anrechnen, dass er seine Kollegen aus den USA und Großbritannien überhaupt dazu gebracht hat, das Thema in der Finanzministerrunde zu besprechen. Die gerierten sich bislang eher als Schutzpatrone der umstrittenen Industrie. Die meisten Hedgefonds sind zwar in Steuerparadiesen wie den Cayman-Inseln registriert, operieren aber von New York oder London aus.

Auch in Großbritannien und den USA wächst die Skepsis

Mittlerweile hat sich aber auch in den angelsächsischen Ländern ein Anflug von Skepsis breit gemacht. Sicher, im besten Fall entfalten Hedgefonds segensreiche Wirkung. Sie greifen zu, wenn eine Währung im freien Fall ist, also billig wird, und stabilisieren so den Wechselkurs. Sie nehmen Banken mit komplizierten Finanzkonstruktionen Risiken ab, so dass diese mehr Kredite vergeben können, was Konsumenten und Unternehmen zugute kommt. Problematisch wird es jedoch, wenn Hedgefonds ihre Risiken zu sehr auf ein Investment konzentrieren, fatal wird es, wenn gleich mehrere Hedgefonds ein und dasselbe Risiko eingehen. Geht die Investition daneben, kann es zu einer Kettreaktion kommen. Die Fonds reißen Banken mit, weil sie ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Als Folge steigen die Zinsen, was das Wachstum abwürgt, Arbeitslosigkeit entsteht.

Es ist aller Ehren wert, in der undurchsichtigen Branche für mehr Durchblick zu sorgen. Schon einmal stand die Finanzwelt am Rand des Abgrunds, als 1998 dem Fonds LTCM die Pleite drohte. Nur durch das beherzte Einschreiten der amerikanischen Notenbank Fed, die großzügig Liquidität zur Verfügung stellte, konnte ein globales Fiasko vermieden werden. Die Zaghaftigkeit, mit der die Finanzminister zu Werke gehen, ist unverständlich. Sie dürfen ruhig deutlichere Ansprüche auf mehr Transparenz geltend machen. Schließlich sind es staatliche Behörden, die Notenbanken, die im Ernstfall zu Hilfe eilen müssen.

Steinbrücks Ziele sind verglichen mit den Gefahren bescheiden. Kontrolle soll allenfalls freiwillig stattfinden. An eine staatliche Aufsicht, wie sie bei Banken seit Jahrzehnten in allen entwickelten Industriestaaten üblich ist, denkt niemand. Das würden Briten und Amerikaner nicht mitmachen. Viel ist schon erreicht, wenn eine der nachfolgenden Präsidentschaften das Thema aufnimmt. Garantiert ist das nicht. In ihrer Abschlusserklärung stimmen die Finanzminister nur darin überein, das Thema während der deutschen Präsidentschaft zu behandeln. Die endet faktisch im Juni mit dem Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm. Nächstes Jahr übernehmen die Japaner.