Stellenabbau Telekom lockt Mitarbeiter mit 225.000 Euro
Frankfurt am Main - In einem Schreiben an die Beschäftigten bietet der Vorstand der Telekom allen 40- bis 55-Jährigen Abfindungen von 200.000 bis 225.000 Euro zuzüglich 25.000 Euro für besondere Tarifgruppen an, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Alternativ könne auch die Frührente durch den Ausgleich von Abschlägen in der Rentenversicherung gefördert werden, heißt es in dem Brief, den Telekom-Personalvorstand Heins Klinkhammer verfasste. Insgesamt stellt der Konzern 3,3 Milliarden Euro für den Abbau der 32.000 Jobs zur Verfügung.
Die Telekom will die Stellen bis 2008 abgebaut haben. Ab dem Jahr 2009 sollen dadurch die jährlichen Kosten um 1,7 Milliarden Euro sinken. Allerdings ist damit das Sanierungsziel des Konzerns noch nicht erreicht: Die Telekom erwartet, dass weitere Arbeitsplätze abgebaut werden. "Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange", hatte Personalchef Heinz Klinkhammer in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erklärt. Er hoffe jedoch, dass sich das Tempo des Stellenrückgangs nach 2008 verlangsame. Dass der Stellenabbau nicht 2008 ende, sei immer wieder gesagt worden, intern wie öffentlich, verteidigte ein Telekom-Sprecher die Ankündigung.
Ver.di will weiter streiten
Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di kritisierte Klinkhammers Äußerungen trotzdem. Es sei erstaunlich, dass der Personalvorstand sich bereits darüber Gedanken machen, weitere Stellen abzubauen. "Das Management der Telekom hat offensichtlich wenig Zuversicht in die eigene Zukunft. Man hat das eine Problem noch nicht gelöst und kündigt schon ein neues an", sagte ein Sprecher.
Auf die Abfindungsangebote reagierte die Gewerkschaft zurückhaltend. "Die Telekom setzt ihre Pläne jetzt einseitig um. Wir werden unsere Mitglieder beraten, dass sie keine schlechten Angebote annehmen", sagte der Sprecher. "Das sind freiwillige Angebote. Jeder muss für sich entscheiden, ob er davon Gebrauch macht oder nicht." Der grundsätzliche Streit um die Dimension des Abbaus von 32.000 Stellen werde damit nicht gelöst.
Grund für den Personalabbau ist der verschärfte Wettbewerbsdruck vor allem im Festnetzgeschäft. Regionale Anbieter und bundesweit agierende Dienstleister schnappen dem ehemaligen Monopolisten mit günstigeren Telefongebühren nach und nach die Kunden weg. Insgesamt sind bei der Telekom nach Unternehmensangaben in Deutschland rund 160.000 Menschen beschäftigt (Stand September 2005). Die bisher angekündigte Streichung würde also etwa jede fünfte Stelle betreffen.
Ver.di hatte am Donnerstag die Verhandlungen über den Jobabbau platzen lassen. Bereits vor den Gesprächen hatte die Gewerkschaft den Sanierungsplan wegen der erwarteten Milliardengewinne des Konzerns massiv kritisiert. Das Bonner Unternehmen wies hingegen auf den technologischen Wandel hin, der viele Arbeitsplätze überflüssig mache. Neben dem Stellenabbau will das Unternehmen die Zahl der Callcenter auf 51 halbieren. Die Telekom-Mitarbeiter hatten wiederholt bundesweit dagegen demonstriert. Die Telekom hat seit 1995 bereits im Durchschnitt 10.000 Arbeitsplätze pro Jahr abgebaut.
ase/ap/reuters