Stellenindex: Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt - DER SPIEGEL
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Stellenindex Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt

Schlechtester Wert seit vier Jahren: Der Stellenindex der Agentur für Arbeit ist zum achten Mal in Folge gefallen. Im Vergleich zum Mai sank der Wert um fünf auf 120 Punkte - so niedrig war er zuletzt im Juli 2005.
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Nürnberg - Die Zahlen deuten auf eine weitere Verschlechterung am Arbeitsmarkt hin: Im Juni sank der Stellenindex BA-X nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf den niedrigsten Stand seit Juli 2005 - und verlor im Vergleich zum Vormonat fünf Punkte. Der Index bildet die Bereitschaft von Unternehmen ab, Mitarbeiter einzustellen.

Agentur für Arbeit: Index signalisiert "eine hohe Abwärtsdynamik"

Agentur für Arbeit: Index signalisiert "eine hohe Abwärtsdynamik"

Foto: DDP

Der Stand von 120 Zählern signalisiere "eine hohe Abwärtsdynamik am ersten Arbeitsmarkt", teilte die Bundesagentur am Montag mit. "Diese rückläufige Nachfrage wird sich in den kommenden Monaten voraussichtlich weiter negativ auf die Beschäftigung auswirken."

Die BA gibt am Dienstag in Nürnberg die Arbeitslosenzahlen für Juni bekannt. Der für die Jahreszeit übliche Rückgang der Arbeitslosigkeit dürfte deutlich schwächer ausfallen als in den Vorjahren. Volkswirte erwarteten im Monatsvergleich eine Abnahme zwischen 20.000 und 50.000 auf etwa 3,4 Millionen registrierte Erwerbslose. Unter Herausrechnung der saisonbedingten Schwankungen rechnen die Experten mit einer Zunahme der Arbeitslosenzahl um 45.000.

Dabei dürfte allerdings auch die im vergangenen Monat eingeführte Änderung der Arbeitsmarktstatistik eine Rolle spielen. Seit Mai werden diejenigen nicht mehr als Arbeitslose ausgewiesen, die von sogenannten Dritten wie etwa Bildungsträgern betreut werden. Im vergangenen Monat waren das 20.000.

Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank rechnet für Juni mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um etwa 50.000. Er geht davon aus, dass zwei Drittel davon auf die Statistikänderung zurückzuführen sein dürften. Ferner hätten Kurzarbeit und das schöne Wetter zu der erneuten Entspannung beigetragen. Mitarbeiter in den witterungsabhängigen Berufen wie Bau oder Gastronomie seien derzeit gefragt.

Holger Schäfer vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Berlin hält einen Rückgang von rund 20.000 für möglich. "Das ist für einen Juni ein schlechter Wert", betonte er. In den Vorjahren war die Arbeitslosenzahl im ersten Sommermonat im Schnitt um etwa 120.000 gesunken. Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut rechnet dagegen für Juni mit einem Rückgang um bis zu 30.000.

Ein kräftiger Anstieg der Arbeitslosigkeit wird allerdings im Herbst erwartet. Erst dann wird die Wirtschaftskrise nach Expertenmeinung den Arbeitsmarkt mit voller Wucht treffen.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise hatte im Mai erklärt, er rechne mit dem Überschreiten der Vier-Millionen-Marke erst im nächsten Jahr. Im Mai war die Zahl der Menschen ohne Job überraschend stark um 127.000 auf 3,45 Millionen gesunken. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,4 Punkte auf 8,2 Prozent.

cte/AP/Reuters/dpa