Steuerreform: Grund zur Freude nur für Großverdiener
Die »überwältigende Mehrheit der Bürger« werde in diesem Jahr deutlich entlastet, preist die Bundesregierung derzeit in Zeitungsannoncen die dritte Stufe ihrer Steuerreform. »Der Zugriff des Fiskus« sei nun »erheblich sanfter«. In Wahrheit jedoch ist das Eigenlob reine Propaganda. Zwar verzichtet der Finanzminister bei der Einführung des neuen Steuertarifs auf rund 24 Milliarden Mark. Die Entlastung verteilt sich jedoch, wie interne Zahlen aus dem Finanzressort zeigen, ausgesprochen ungleich. Die Steuerzahler in den unteren Einkommensgruppen müssen sich mit Minimalbeträgen zufriedengeben: bis zu 500 Mark jährlich für Ledige, knapp 900 Mark für Verheiratete. Die Mittelklasse darf schon mit drei bis fünf Tausendmarkscheinen mehr rechnen. Richtig »Grund zur Freude«, wie die Regierungspropaganda verheißt, dürfte aber allein bei den oberen Zehntausend aufkommen. Den 70 000 ledigen Spitzenverdienern (mehr als 120 000 Mark zu versteuerndes Einkommen) werden im Schnitt 12 000 Mark Abgaben erlassen. Für 130 000 Verheiratete mit steuerpflichtigen Einnahmen über 260 000 Mark erhöht sich in diesem Jahr durch die Steuerreform der Nettoverdienst gar um mehr als 21 000 Mark.