Störmanöver: Schering-Übernahme wackelt wieder - DER SPIEGEL
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Störmanöver Schering-Übernahme wackelt wieder

Die geplante Schering-Übernahme durch Bayer könnte doch noch scheitern. Wenige Tage vor Ablauf der Bayer-Offerte hat der Rivale Merck versucht, das Vorhaben mit massiven Aktienkäufen zu torpedieren.
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Frankfurt am Main - Merck  fehlen nun nur noch etwas mehr als sechs Prozent der Schering-Anteile, um den größten Zukauf in der Firmengeschichte von Bayer   vereiteln zu können. Im Gegenzug erwerben auch die Leverkusener fieberhaft Aktienpakete an der Börse und wollen damit die 16,5 Milliarden Euro schwere Transaktion unter Dach und Fach bringen.

So kaufte Bayer binnen eines Tages für ungefähr 3,8 Milliarden Euro knapp ein Viertel der Aktien des Berliner Arzneimittelherstellers. Damit hat sich Bayer mittlerweile 61,52 Prozent gesichert, wie aus einer am Wochenende veröffentlichten Finanzanzeige des Unternehmens hervorgeht. Damit hätte Bayer zwar die Mehrheit an Schering, zur Bedingung für das Übernahmeangebot hatte der Konzern jedoch das Erreichen der 75-Prozent-Schwelle gemacht. Die Angebotsfrist für die Schering-Aktionäre läuft am Mittwoch ab.

Laut Finanzanzeige erwarb der Bayer-Konzern am Finanzmarkt 23,09 Prozent der Schering-Aktien zu Preisen von je 84,71 bis 86 Euro. Damit zahlten die Leverkusener maximal so viel, wie sie den Schering-Aktionären im Rahmen der Übernahmeofferte bieten. Die Schering-Aktie   hatte am Freitag 0,5 Prozent höher auf 86,25 Euro geschlossen.

Zeitgleich stockte Merck ihre Schering-Beteiligung auf 18,6 von zuletzt gut 10 Prozent auf, wie die Darmstädter in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC bekannt gaben. Demnach kaufte Merck am Freitag weitere 16,2 Millionen Aktien zu einem Durchschnittskurs von 85,95 Euro. Die Beteiligung war erst in den Tagen zuvor kräftig erhöht worden. Ob Merck die Schering-Anteile am Markt zusammenkaufte oder ein Paket erwarb, ist unklar.

Merck könnte wieder ins Spiel kommen

Zu den Motiven für dieses Vorgehen wollte Merck auch am Wochenende keinen Kommentar abgeben. "Angesichts der in Kürze ablaufenden Annahmefrist wollen wir uns zu unserer Schering-Beteiligung nicht weiter äußern", sagte ein Konzernsprecher. Auch Bayer lehnte eine Stellungnahme ab.

Börsianer sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Bayer die angestrebte Dreiviertel-Mehrheit verfehlen wird. In diesem Falle ergäbe sich womöglich eine neue Chance für Merck, und die Darmstädter könnten unter Umständen mit einer höheren Offerte doch noch zum Zuge kommen. Experten zufolge könnte sich Merck dazu etwa mit einem anderen Interessenten zusammentun. Vor diesem Hintergrund raten manche Analysten den Schering-Aktionären, abzuwarten und ihre Anteilsscheine Bayer erst einmal nicht anzudienen.

Analysten und Branchenexperten allerdings überrascht das Vorgehen. Sie rätseln über den Gesinnungswandel und die Strategie des Darmstädter Unternehmens. "Verletzte Eitelkeit macht eigentlich keinen Sinn", meint Carsten Kunold von der Privatbank Merck Finck & Co. Dass die Merck KGaA jetzt einen Preis für die Schering-Aktien auf den Tisch blätterte, den das Unternehmen bei der Vorlage der Bayer-Offerte als nicht zu rechtfertigen bezeichnete, erscheint als höchst widersprüchlich.

Bayer hatte sich im März mit dem Schering-Vorstand auf die Übernahme geeinigt. Die Bayer-Offerte von 86 Euro je Aktie liegt deutlich über den 77 Euro, die Merck bieten wollte.

itz/mm.de/dpa/Reuters