Stolpe zu Tarif-Desaster: "Die Bahn hat sich verkalkuliert" - DER SPIEGEL
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Stolpe zu Tarif-Desaster "Die Bahn hat sich verkalkuliert"

Wegen der dramatischen Umsatzeinbrüche wird die Bahn ihr Preissystem grundlegend umgestalten, zwei Vorstände müssen gehen. Verkehrsminister Stolpe kritisiert das Unternehmen offen, will Bahn-Chef Mehdorn aber im Amt halten. Der Plan, die Bahn 2005 an die Börse zu bringen, ist faktisch vom Tisch.
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Berlin - So offen hat sich lange kein Verkehrsminister in die Geschäfte des Staatsunternehmens eingemischt: Die Bahn habe sich bei der Einführung des neuen Preissystems verkalkuliert, sagte Manfred Stolpe am Dienstag. Bei Verständlichkeit des Systems und bei der Kommunikation mit den Kunden müsse es Verbesserungen geben.

Angesichts der jüngsten Umsatzeinbrüche und Personalprobleme gibt die Regierung das Ziel, die Bahn 2005 an die Börse zu führen, faktisch auf. Der Börsengang 2005 sei "für uns kein Dogma", sagte Stolpe, der Zeitpunkt des hänge von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens und von der Entwicklung der Aktienmärkte ab.

Zugleich stärkte Stolpe Bahnchef Hartmut Mehdorn den Rücken. "Er ist der richtige Mann am richtigen Platz." Mehdorns Vertrag soll denn auch um weitere fünf Jahre bis 2009 verlängert werden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur vor Beginn der Aufsichtsratssitzung des bundeseigenen Unternehmens in Berlin. Als Hauptverantwortliche für das neue Tarif-System werden dagegen Personenverkehrsvorstand Christoph Franz und sein Marketing-Vorstand Hans-Gustav Koch abgelöst. Gleiches wird wohl für die Leiterin des Preismanagements, Anna Brunotte, gelten. Sie hatte das System entwickelt.

Auf der Aufsichtsratssitzung wird der Mehdorn erste Neuerungen des neuen Preissystems vorstellen. Der Vorstandschef habe erkannt, dass kosmetische Änderungen an den Preisen nicht mehr reichten, zitierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ein anonymes Aufsichtsratsmitglied. Vertreter der Anteilseigner und Arbeitnehmer erwarteten rasche Veränderungen, hieß es weiter.

Bereits vorige Woche hatte das Unternehmen eine Lockerung der "Plan&Spar"-Tarife angekündigt. Die Wiedereinführung einer "Bahncard Gold" mit wieder 50 Prozent Rabatt sei dagegen noch nicht entschieden, schreibt die "FAZ".

Das Ticketsystem steht seit seiner Einführung im vergangenen Dezember in der Kritik von Gewerkschaften, Verbänden und Politikern. Sie machen die neuen Preise auch für die erheblichen Einbußen im Fernverkehr sowie die hohen Verluste im ersten Quartal verantwortlich. Seit der Einführung ist der Umsatz im Personenfernverkehr Berichten zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,9 Prozent auf 433,3 Millionen Euro eingebrochen. Die Bahn hatte zunächst vornehmlich auf konjunktur- und witterungsbedingte Ausfälle verwiesen.