»Strammes Programm« - DER SPIEGEL
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KONZERNE »Strammes Programm«

TUI-Chef Michael Frenzel, 58, über den Kauf des Reederei-Riesen CP Ships und seinen umstrittenen Zickzackkurs
• aus DER SPIEGEL 43/2005
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Herr Frenzel, innerhalb weniger Jahre haben Sie den einstigen Mischkonzern Preussag zum größten europäischen Reise-Giganten umgebaut. Nun steigen Sie mit dem Kauf der britisch-kanadischen Reederei CP Ships groß ins Logistikgeschäft ein. War es ein Fehler, so stark auf das kriselnde Urlaubsgeschäft zu setzen?

Frenzel: Nein, sicher nicht. Der Tourismus ist und bleibt ein Wachstumsmarkt. Aber die Volatilität in der Welt und damit auch in unserem Konzern hat zugenommen. Wir schaffen uns mit dieser Übernahme ein zweites Standbein. Und auf zwei Beinen steht man bekanntlich besser.

SPIEGEL: Noch vor gut einem Jahr wollten Sie Ihre Container-Tochter Hapag-Lloyd an die Börse bringen. Nun soll sie mit Hilfe von CP Ships zur Nummer fünf der Welt aufsteigen. Geradlinigkeit sieht anders aus.

Frenzel: Dies ist keine Kursänderung. Wir haben seit 1997 eine Milliarde Euro in die Schifffahrt investiert und wollten voriges Jahr nur eine Minderheit abgeben, um das weitere Wachstum zu finanzieren. Als der Plan in den Jahren 2002 und 2003 reifte, befand sich der Tourismus in einem tiefen Tal. Inzwischen läuft das Geschäft wieder deutlich besser, so dass wir uns die Übernahme durchaus leisten können.

SPIEGEL: Bis vor kurzem propagierten Sie als oberstes Ziel, die hohe Verschuldung des Konzerns abzubauen. Der Zukauf belastet Sie mit weiteren zwei Milliarden Euro.

Frenzel: Der Schuldenabbau hat nach wie vor oberste Priorität. Wir finanzieren den Großteil der Übernahme durch eine Kapitalerhöhung. Den Rest können wir durch den hohen Mittelzufluss, den die Schifffahrt generiert, sukzessive zurückführen. Langfristig stehen wir sogar besser da.

SPIEGEL: Kritiker monieren, der Preis von 21,50 Dollar, den Sie pro CP-Ships-Aktie zahlen, sei viel zu hoch.

Frenzel: Das Unternehmen war nicht zu teuer. Durch die Fusion mit Hapag-Lloyd können wir jedes Jahr Einspareffekte von 180 Millionen Euro erzielen. Die sind nur zu einem kleinen Teil in den Kaufpreis einkalkuliert. Unterm Strich wird sich der Deal also allemal rechnen.

SPIEGEL: Wollen Sie mit Ihrem Coup womöglich auch Hedgefonds abwimmeln, die Ihren Konzern vergangenes Jahr schon mal im Visier hatten? Immerhin steigt der Börsenwert der TUI durch die Übernahme und die damit verbundene Kapitalerhöhung von rund drei auf gut vier Milliarden Euro.

Frenzel: Die Akquisition ist keine defensive Maßnahme. Uns geht es darum, den Unternehmenswert nachhaltig zu erhöhen und den Gewinn zu steigern.

SPIEGEL: Den angenehmen Begleiteffekt, künftig weniger angreifbar zu sein, nehmen Sie aber wohl gern in Kauf.

Frenzel: Warum nicht? Aber noch mal: Das war nicht das Hauptmotiv.

SPIEGEL: Der einträgliche Container-Boom auf dem Wasser könnte dennoch bald abflauen, da ab nächstem Jahr jede Menge neue Schiffe vom Stapel gelassen werden.

Frenzel: Selbst der SPIEGEL hat ja erst unlängst über den enormen Aufschwung in der Branche berichtet. Alle Prognosen sagen ein kräftiges Marktwachstum von rund sieben Prozent voraus. Selbst wenn 2006 zusätzliche Frachtkapazitäten auf den Markt kommen, ändert das nichts an den positiven Aussichten. Die Containerschifffahrt ist eines der letzten großen Wachstumsfelder im Rahmen der Globalisierung.

SPIEGEL: Ähnlich haben Sie argumentiert, als Sie im Jahr 2000 auf dem Höhepunkt der Reise-Euphorie den britischen Konkurrenten Thomson Travel übernahmen. Die teure Neuerwerbung liegt Ihnen seither schwer auf der Tasche.

Frenzel: Das trifft so nicht zu. Ohne Thomson wären wir heute nicht Marktführer in Europa. Auch die Krise im Tourismusgeschäft hätten wir sonst nicht so gut überstanden. Kein Mensch kann ausschließen, dass der Himmel irgendwann über uns zusammenstürzt. Aus heutiger Sicht werden die weltweiten Handels- und Transportströme weiterwachsen.

SPIEGEL: Sie versprechen Ihren Anlegern schon seit Jahren Umsatzrenditen von fünf Prozent im Tourismusgeschäft. Doch selbst im vergangenen Jahr, das ganz ordentlich lief, brachten Sie es nur auf gut die Hälfte.

Frenzel: In der Urlaubsindustrie herrschte nach den Anschlägen in New York vom September 2001 eine Ausnahmesituation. Wir haben, anders als viele Wettbewerber, in dieser schwierigen Zeit noch passable Ergebnisse erwirtschaftet, was alles andere als einfach war. Seit 2004 wachsen wir wieder deutlich. Zurzeit läuft bei uns ein strammes Programm zur Effizienzsteigerung, mit dem wir mittelfristig wieder an die Gewinne aus unseren besseren Jahren anknüpfen werden.

SPIEGEL: Im Schlepptau Ihrer Containersparte operieren vier Kreuzfahrtschiffe wie der Luxusliner MS »Europa«, die jedoch nur mäßig Geld verdienen. Wie lange wollen Sie sich diese Liebhaberei noch leisten?

Frenzel: Wir wollen im Kreuzfahrtmarkt weiterwachsen und arbeiten deshalb zurzeit an einer neuen Strategie, wie wir uns auch in diesem boomenden Markt besser platzieren und neue Zielgruppen gewinnen können. An Zukäufe denken wir dort allerdings nicht, wir wollen durch eigene Kraft oder Kooperationen wachsen. INTERVIEW: DINAH DECKSTEIN

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