Strategiewechsel Nokia setzt auf Klapp-Handys
Helsinki - Nach dem öffentlichen Eingeständnis folgen nun Taten. Anfang April hatte Nokia-Chef Jorma Ollila öffentlich eingeräumt: "Wir waren zu langsam bei der Entwicklung von aufklappbaren Handys". Mit der heutigen Produktpräsentation in Helsinki und Singapur wollte der Konzernchef beweisen, dass Nokia seine Lektion gelernt hat und wieder angreift. Drei der fünf neuen Modelle sind Klapp-Handys.
Dass Nokia in diesem Bereich etwas tun muss, lag auf der Hand. Die Konkurrenten Samsung und Motorola haben den Finnen in den ersten drei Monaten 2004 kräftig Marktanteile abgejagt. Ollila musste heute einräumen, dass der Anteil am Weltmarkt im ersten Quartal auf 32 Prozent gesunken ist. Noch vor Jahresfrist hatte er bei 38 Prozent gelegen. Nach unabhängigen Erhebungen ist Nokia sogar bereits unter die 30-Prozent-Marke gerutscht.
Der Nokia-Chef will dennoch an dem Ziel festhalten, 40 Prozent des Handymarktes zu kontrollieren. Er sagte dazu: "Dies ist ein gutes Ziel", vermied jedoch konkrete Aussagen, wie schnell diese Marke erreicht werden soll. Die 35 neuen Mobiltelefone, die Nokia in diesem Jahr weltweit auf den Markt bringen werde, seien eine gute Grundlage, um erneut stärker zu wachsen, sagte Ollila. Analysten und Anleger sahen das jedoch anders. Die Nokia-Aktie sank in Helsinki nach der Modellpräsentation um zwei Prozent auf 11,70 Euro.
Mit dem Modell 6260 bringt das Unternehmen erstmals ein Smartphone im Klappformat auf den Markt. Das Handy bietet neben einem Farbdisplay und einer Kamera zahlreiche Erweiterungsmöglichkeiten, darunter eine drahtlose Tastatur. Das neue Klapp-Handy 6170 soll dem Unternehmen zufolge - ähnlich wie das bereits erhältliche Modell 7200 - wegen seines Designs gekauft werden. Im unteren Marktsegment wird Nokia mit dem 2650 nun erstmals ein aufklappbares Handy anbieten.
Für die Gesamtbranche korrigierte der finnische Weltmarktführer die Absatzerwartungen in diesem Jahr auf weltweit 600 Millionen Handys nach oben. Das wären 120 Millionen Einheiten mehr als 2003. Rund ein Drittel der neuen Handys 2004 werden dem finnischen Unternehmen zufolge mit Kameras ausgerüstet sein. Für 2007 rechnet Nokia mit weltweit mehr als zwei Milliarden Handy-Nutzern.