Strategiewechsel Time Warner stößt Musik-Sparte ab
New York - Time Warner, bis vor kurzem noch AOL Time Warner genannt, träumte lange den Traum vom integrierten Medienkonzern. Musik, Film, Internet, Magazine - alles sollte unter einem Dach gebündelt sein und möglichst über Breitband-Internet verfügbar werden. Dieser Traum hat sich als Illusion herausgestellt - und der Medienkonzern zieht mit dem Verkauf der Musiksparte eine weitere Konsequenz daraus. Zugleich ist der Verkauf ein weiteres Zeichen für die Krise der Musikbranche, deren Umsätze auch dank der Konkurrenz durch Web-Downloads eingebrochen sind.
Der Käufer von Warner Music ist ein alter Bekannter: Edgar Bronfman, kanadischer Erbe, der bereits früher als Besitzer des Universal-Konzerns von sich reden machte. Für Warner Music wollen Bronfman und das von ihm versammelte Konsortium rund 2,6 Milliarden Dollar zahlen, etwa 2,2 Milliarden Euro. Die Gruppe sticht damit eine Offerte der britischen EMI aus, die deutlich weniger geboten haben soll. Die Gruppe um Bronfman kaufe auch die Warner-Musikverlage, hieß es. Warner ist der viertgrößte Musikanbieter der Welt.
Zu der Investorengruppe soll auch der Milliardär und Besitzer von ProSiebenSat.1 gehören, Haim Saban. Berichten zufolge zählen auch Providence Equity Partners und Bain Capital zu den Beteiligten. Der Anteil Bronfmans soll nach Angaben der "New York Times" insgesamt 250 Millionen Dollar betragen. Bronfman lehnte einen Kommentar zunächst ab.
Time Warner will die Kaufsumme zum Schuldenabbau einsetzen. Der US-Konzern hatte fast ein Jahr lang auch mit Bertelsmann verhandelt. Differenzen über Bewertungsfragen konnten allerdings nicht beigelegt werden - so handelte Bertelsmann vor wenigen Wochen die Fusion seines Musikablegers BMG mit Sony Music aus.
Mit Bronfman kehrt der frühere Chef des Spirituosen- und Medienkonzerns Seagram ins Musikgeschäft zurück. Der Milliardenerbe hatte Seagram von einem Mischkonzern zu einem Medienunternehmen umgebaut und sicherte sich dabei unter anderem die Kontrolle über den weltgrößten Musikkonzern Universal. Vor drei Jahre hatte er Universal Music an Vivendi weiter verkauft. Er ließ sich mit Aktien bezahlen, die später katastrophal einbrachen. Bronfman ist also nicht unbedingt als talentierter Manager bekannt, er bewies aber immer wieder seine Liebe zum Showbiz. Er schrieb Lieder unter anderem für Celine Dion und Dionne Warwick und produzierte Filme.
Bronfman profitiert bei seinem Angebot davon, dass er - im Gegensatz zu EMI - bei einer Übernahme nicht mit Kartellproblemen zu rechnen hat - das Geschäft also vergleichsweise problemlos über die Bühne gehen kann.
Saban ist in Deutschland vor allem bekannt, seit er sich nach monatelangem Verhandlungspoker die Perlen aus dem zusammengebrochenen Kirch-Imperium sicherte. Auch die Musikbranche ist ihm nicht fremd - er legte mit der Vermarktung der Titelmelodie zur US-Serie "Dallas" den Grundstein zu seinem Vermögen.
Für EMI bringt auch der Rückzug aus dem Bietergefecht keine Ruhe. Schon gibt es in London Gerüchte, der britische Musikkonzern könne jetzt selbst zum Übernahmeziel einer anderen Investorengruppe werden.