Streik in Sindelfingen Bei DaimlerChrysler schweigen die Bänder
Aktionen des Betriebsrates gegen Sparpläne der Konzernleitung haben bei DaimlerChrysler am Samstag zu erheblichen Produktionsausfällen geführt. Im Werk Sindelfingen waren am Samstag 12.000 Beschäftigte nicht zur Arbeit erschienen. Nach Angaben des Betriebsrates standen die Bänder still, 1000 Autos konnten nicht produziert werden. Eine Schicht sei komplett ausgefallen. Bereits am Donnerstag und Freitag hatten die Beschäftigten im Werk Untertürkheim für eine halbe Stunde die Arbeit niedergelegt.
Damit reagierten die Mitarbeiter auf vom Unternehmen geplante Kürzungen der Personalkosten von insgesamt einer halben Milliarde Euro pro Jahr. Von diesen Kürzungen seien Neuinvestitionen abhängig, so der Konzern. Die Arbeitsniederlegungen sind ein Vorgeschmack auf weitere Unruhe, die dem Automobilkonzern in der nächsten Woche droht. Für den kommenden Donnerstag hat die IG Metall alle DaimlerChrysler-Mitarbeiter in Deutschland zu Protestaktionen aufgerufen. Am Dienstag ist nach Informationen der "Welt am Sonntag" ein Gespräch zwischen Betriebsrat und Vorstand geplant.
Unter Umständen zur Mehrarbeit bereit
Der Betriebsrat signalisierte bereits Gesprächsbereitschaft. "Wir sind in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktionsplanung und einigen Bereichen der Zentrale zur Einführung der 40-Stunden-Woche bereit, wenn die Mehrarbeit bezahlt wird", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Erich Klemm, der "Welt am Sonntag". Das Angebot, die wöchentliche Arbeitszeit auszudehnen, gelte aber nicht für die Produktion. Die Beschäftigten könnten sich freiwillig für die längere Arbeitszeit entscheiden.
Ein Abschluss sei Voraussetzung für den Bau neuer Modelle und die Sicherung von 10.000 Arbeitsplätzen in Deutschland bis zum Jahr 2012, so Klemm. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert hatte die Personalkosten am Standort Sindelfingen kritisiert und mit einer Verlagerung der C-Klasse-Produktion ins Werk Bremen gedroht.
Nach Berechnungen des Betriebsrates würden die Sparpläne des Unternehmens für viele Arbeiter Einbußen von 700 Euro im Monat bedeuten. "Das werden wir nicht kampflos hinnehmen", sagte Klemm der Zeitung. Nach Betriebsratsangaben sind bei DaimlerChrysler 10.000 Stellen in Gefahr. Die Konzernleitung hält dagegen, durch Neuinvestitionen könnten 6000 Stellen gesichert werden. Die Aktionen während der Arbeitszeit bezeichnete der Konzern als unzulässig.