Streiks in Brasilien: Staatspräsident greift VW an - DER SPIEGEL
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Streiks in Brasilien Staatspräsident greift VW an

1800 Jobs hat Volkswagen in seinem Werk bei São Paulo gestrichen, aus Protest sind die Mitarbeiter in einen unbefristeten Streik getreten. Ihr Präsident springt ihnen zur Seite - mit deutlicher Kritik am deutschen Konzern.
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São Paulo - "Volkswagen hat sich in Brasilien übernommen. Wenn die Firma einen Fehler gemacht hat, muss sie dafür bezahlen", sagte Luiz Inacio Lula da Silva im Fernsehsender Globo TV.

Von den Jobverlusten ist die Fabrik São Bernardo do Campo betroffen, das älteste und größte von fünf VW-Werken in Brasilien. Die ersten Kündigungen treten zum 21. November in Kraft. Sie wurden mit zu hohen Arbeitskosten begründet. Präsident da Silva war früher als Gewerkschaftsfunktionär für das Werk zuständig.

Arbeitsminister Luiz Mariho kündigte an, die Regierung werde sich nicht in den Streik einmischen. "Es gibt Situationen, in denen die beteiligten Parteien eine Vereinbarung erreichen müssen. In dem Fall kann die Regierung nichts tun."

VW hatte angekündigt, dass dem Umbau des Unternehmens in Brasilien bis 2008 insgesamt 6000 Stellen zum Opfer fallen könnten. VW beschäftigt dort insgesamt rund 22.000 Mitarbeiter. VW und andere Autobauer in Brasilien leiden unter dem starken Anstieg der brasilianischen Landeswährung Real gegenüber dem Dollar, was die Exportchancen schmälert.

VW Brasilien: Zu groß gedacht

Schon vor drei Jahren hatte VW in Brasilien 4000 Jobs gestrichen, weil der Konzern sich in der Kapazitätsplanung verschätzt hatte. Damals musste VW eine dreistellige Millionensumme für den Personalabbau aufbringen.

Viele Jahre war der im Zuge des VW-Skandals abgetretene Personalvorstand Peter Hartz in der Konzernleitung für Brasilien zuständig. In seiner Amtszeit wurden dort im großen Stil Werke errichtet, weil VW einen kräftig wachsenden Markt erwartet hatte. Diese Hoffnung ging nicht auf.

VW exportiert aus Brasilien unter anderem den Fox, der auch in Deutschland angeboten wird. Nur die Produktion für den Export soll gekürzt werden. 2005 liefen insgesamt 647.000 Autos bei VW in Brasilien vom Band. VW hat nach eigenen Angaben die höchsten Lohnkosten von allen Autobauern in Brasilien. Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte auf der VW-Hauptversammlung die Sanierung in Brasilien angekündigt.

itz/AP