Streikwelle: Verdi will den heißen Sommer - DER SPIEGEL
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Streikwelle Verdi will den heißen Sommer

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bereitet sich darauf vor, die Republik mit Streiks zu überziehen. Nachdem im Einzelhandel und bei der Post eine Streik-Urabstimmung immer wahrscheinlicher wird, steuert nun auch das Versicherungsgewerbe auf einen Arbeitskampf zu.
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Hamburg - Der Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi beschloss am Montag in Berlin, kommende Woche mit der Urabstimmung über einen Arbeitskampf bei den Versicherern zu beginnen. In der deutschen Versicherungsbranche sind etwa 240.000 Menschen beschäftigt. Die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern waren zuvor abgebrochen worden.

Bei der Deutschen Post   sind bereits für diese Woche Warnstreiks geplant. Ab Dienstag ist der Gewerkschaft zufolge mit "eingeschränkten Postdienstleistungen" zu rechnen. Dabei will Verdi die so genannte Mini-Max-Streiktaktik anwenden, regional soll es damit zu einer schrittweisen Steigerung von Streiks kommen.

Die Deutsche Post rechnet durch die für Dienstag angekündigten Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi nur mit geringen Beeinträchtigungen für die Kunden. "Es kann vereinzelt zu Verzögerungen bei der Postzustellung kommen oder eine Filiale mal zehn Minuten zu sein", sagte ein Post-Sprecher am Montag in Bonn. Grundsätzlich sei Verdi aber an die Friedenspflicht während der laufenden Tarifverhandlungen gebunden, die Warnstreiks zwar zulasse, gravierende Behinderungen aber verbiete. "Wir gehen davon aus, dass sich Verdi daran hält", sagte der Konzern-Sprecher.

Die Post bekräftigte, die Verdi-Forderung von 6,5 Prozent mehr Lohn, sei "unrealistisch". "Wir sind ein Logistik-Unternehmen, das in hartem Wettbewerb steht", sagte der Sprecher. "Wir verlangen deshalb von den Gewerkschaften ein realistisches Augenmaß." Das Unternehmen sei zuversichtlich, dass bei der Fortsetzung der Tarifverhandlungen am 10. Juni in Münster eine Einigung erzielt werden könne.

Verdi bestreikt Real-Märkte

Mit Warnstreiks in zwölf bayerischen Real-Einkaufsmärkten hat Verdi am Montag den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen erhöht. Rund 600 Beschäftigte hätten die Öffnung der Real-Märkte in zahlreichen bayerischen Städten um zwei Stunden verzögert, sagte Streikleiter Hubert Thiermeyer.

Die vom Einzelhandel angebotene Tariferhöhung von 1,7 Prozent sei eine Frechheit. Die Gewerkschaft fordert 130 Euro mehr Lohn für alle und ein Mindesteinkommen von 1500 Euro für Vollzeitbeschäftigte. Das entspreche einem Volumen von 6,5 Prozent. Für die Aktionäre würden die Dividenden erhöht, bei den Beschäftigten werde der Sparbesen geschwungen, sagte Thiermeyer. Die Real-Märkte gehören zum Einzelhandelskonzern Metro.

Demonstrationen im Saarland

Auch in Saarbrücken plant Verdi am Dienstag für ihre Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn in verschiedenen Branchen zu demonstrieren. Das kündigte am Montag Verdi-Landesleiter Rolf Linsler an. Er erwartet mehr als tausend Beschäftigte zu dem Demonstrationszug durch die Saarbrücker Innenstadt. Linsler betonte, bei Telekom und Post, wo ebenfalls 6,5 Prozent gefordert würden, stünden aller Voraussicht nach Streik- Urabstimmungen ins Haus.