Streit bei VW Aktionär Tweedy Browne attackiert Piëch
Hamburg - "Ich hoffe, Herr Pischetsrieder wird nicht zurücktreten", sagte Thomas Shrager, Direktor der US-Fondsgesellschaft Tweedy Browne, im Gespräche mit SPIEGEL ONLINE. "Er hat in der Vergangenheit sehr gute Arbeit bei Volkswagen geleistet", fügte Shrager hinzu. Tweedy Browne ist mit rund einem Prozent an Volkswagen beteiligt.
Neben Tweedy Browne hatte heute bereits das Land Niedersachsen Pischetsrieder unterstützt. Der Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) sprach sich - wenn auch nur indirekt - für eine Vertragsverlängerung für den Vorstandschef aus. Niedersachsen ist nach dem Sportwagenbauer Porsche zweitgrößter VW-Aktionär. Porsche hat sich bislang noch nicht in der Debatte geäußert und will das Thema im Aufsichtsrat besprechen.
Ausgelöst hatte die Diskussion VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Piëch, der vor Pischetsrieder selbst an der Spitze von VW stand, hatte gesagt, eine Verlängerung des 2007 auslaufenden Vertrags von Pischetsrieder könne auf eine starke Opposition der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stoßen. Er habe das Gefühl, dass es derzeit ein Stimmenverhältnis von zehn zu zehn gebe, sagte Piëch in einem Interview mit dem "Wall Street Journal". Er kenne kein Unternehmen in Deutschland, "wo jemand mit zehn Arbeitnehmer-Gegenstimmen überleben konnte".
Für diese Aussagen erntete Piëch nun harsche Kritik von Tweedy-Browne-Direktor Shrager: "Pischetsrieder muss die Fehler wieder gut machen, die Piëch in seiner Zeit als VW-Chef begangen hat." Er habe den Eindruck, Piëch setze jetzt auf die Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat, um seinen Nachfolger unter Druck zu setzen, so Shrager.
Der US-Investor verwies als Beispiel auf den schleppenden Absatz des Luxusmodells Phaeton, dessen Entwicklung in die Amtszeit von Piëch fällt. Vor allem in den USA hatte sich der Wagen zum Ladenhüter entwickelt. Im vergangenen Herbst hatte Volkswagen deshalb angekündigt, den Phaeton in Nordamerika vom Markt nehmen zu wollen.
Tweedy Browne hatte bereits im Dezember 2005 massive Kritik an Piech geübt. Hintergrund war ein Aufsichtsratsbeschluss, wonach der frühere Audi-Personalchef und Arbeitnehmerkandidat Horst Neumann zum neuen Arbeitsdirektor bestellt wurde.
Für Volkswagen kommt die Debatte um Konzernchef Pischetsrieder zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Europas größter Autobauer steckt mitten in der Sanierung. 20.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr.