Streit über Einsparungen Daimler-Vorstand bietet Gehaltsverzicht
Stuttgart/Berlin - Der Vorstand sei bereit, auf Einkommen zu verzichten, sollte ein Gesamtpaket zur Lösung des Streits um millionenschwere Einsparungen vereinbart werden, sagte Unternehmenssprecher Thomas Fröhlich. Er bestätigte damit einen Bericht der "Bild am Sonntag". Eine Lösung müsse allerdings bis Monatsende gefunden werden. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Unternehmenskreise, DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp und seine Kollegen wollten auf zehn Prozent ihrer Einkommen verzichten. Die Zahl konnte Fröhlich indes nicht bestätigen.
Aus Protest gegen die Sparpläne des Vorstands hatten am Samstag nach Angaben des Betriebsrats mehr als 10.000 Beschäftigte in Sindelfingen und Untertürkheim die Arbeit niedergelegt. Dadurch konnten 1000 Autos nicht montiert werden. Die Proteste sollen auch in der kommenden Woche weitergehen.
Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" aus Betriebsratskreisen wird am Dienstag die komplette Spätschicht im Mercedes-Werk Sindelfingen die Arbeit ausfallen lassen. Zugleich kämen die Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung am Dienstag in die entscheidende Phase. Schrempp und Konzernbetriebsrat Erich Klemm seien zuversichtlich, dass eine Einigung schon am Mittwoch möglich sei.
Der Vorstand will die Arbeitskosten in den baden-württembergischen Werken im Südwesten um 500 Millionen Euro senken. Sollte es nicht zu einer Einigung mit Betriebsrat und Gewerkschaft kommen, soll die Produktion der neuen C-Klasse von Mercedes von 2007 an nach Bremen und Südafrika verlegt werden. Dadurch wären in Baden-Württemberg 6000 Arbeitsplätze in Gefahr. Der Betriebsrat hat Zugeständnisse im Wert von 200 Millionen jährlich angeboten.
Während SPD-Chef Franz Müntefering im Streit um längere Arbeitszeiten den Arbeitgebern wie die IG Metall einen Angriff auf Arbeitnehmerrechte vorwarf, äußerte die Union Verständnis für die Kostensenkungspläne bei DaimlerChrysler. CSU-Chef Edmund Stoiber sagte der "Bild am Sonntag", Tarifverträge, die stündliche Extra-Pausen und Spätzuschläge ab 12.00 Uhr mittags vorsähen, passten nicht mehr in die Zeit.