Streit um die Formel 1: Kettenrasseln oder Krieg? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Streit um die Formel 1 Kettenrasseln oder Krieg?

Die Drohung der europäischen Autohersteller, eine eigene Formel 1 zu gründen, war eine Kriegserklärung an die Formel-1-Holding und Mehrheitsaktionär Kirch. Oder doch nur ein strategischer Schachzug?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wien - Ex-Rennfahrer Niki Lauda hat die Pläne der europäischen Autohersteller, eine eigene Formel-1-Serie zu gründen, kritisiert. "In den USA gibt es bereits so ein Beispiel mit der Champ-Car-Serie und der IRL, die einander bekämpfen. Und dort ist der Motorsport eher auf dem absteigenden Ast", sagte der Jaguar-Sportdirektor dem österreichischen Sender ORF.

Der Automobil-Weltverband (Fia) hingegen gab grünes Licht. "Wenn sie eine eigene Serie machen, vorausgesetzt, dass die Autos sicher sein werden, dann werden wir diese Serie genauso behandeln wie jede andere auch", kündigte Fia-Präsident Max Mosley an. "Es gäbe keinen Grund, sie zu verhindern."

Die "Großen Fünf" der Formel 1 hatten am Mittwoch angekündigt, dass sie eine Konkurrenzveranstaltung zum bestehenden Rennzirkus aufbauen wollten. Dazu zählen DaimlerChrysler (Mercedes), Ford, Renault, BMW und Fiat (Ferrari). Bis 2007 sind die Teams jedoch noch vertraglich an die Formel-1-Holding SLEC gebunden.

Lauda sagte, die Ankündigung sei bloßes Imponiergehabe: "Man hat jetzt noch sieben Jahre Zeit, um alles wieder ins Lot zu bringen. Meiner Meinung nach ist das im Moment ein Kettenrasseln."

In dem Streit stehen sich die Autohersteller und die Kirch-Gruppe gegenüber. Die Medienfirma hält inzwischen 75 Prozent an der SLEC. Genau das stört die Konstrukteure: Sie befürchten, dass Kirch die Formel 1 in Zukunft auf seinem schwächelnden Abosender "Premiere World" zeigen will. Damit gingen dem Sport Millionen Zuschauer verloren, so der Vorwurf.

Bis 2003 überträgt in Deutschland RTL die Rennen im unverschlüsselten Fernsehen. Die Befürchtungen der Autobauer kommen nicht von ungefähr: Der einzige Weg zum Erfolg von "Premiere World" ist nach Auffassung von Kennern die exklusive Übertragung von populären Sportereignissen. Das bedeutet im ersten Schritt, sich die Rechte zu sichern und im zweiten, die Öffentlichkeit von der Übertragung auszuschließen, um im dritten Schritt die Nachfrage nach dem Bezahlfernsehen zu erhöhen.

Die Kirch-Gruppe weist den Vorwurf strikt von sich. Die Probleme im deutschen Pay-TV hätten keinerlei Auswirkungen auf die Übertragung der Rennen. Die Formel 1 bleibe auch nach 2003 frei empfangbar, so ein Sprecher.

Die Autobauer haben natürlich nicht nur die Interessen der Fernsehzuschauer im Sinn, sondern auch die eigenen: Seit langem fordern sie eine Beteiligung und Mitspracherechte bei der SLEC. Doch deren Eigentümer Bernie Ecclestone widersetzte sich dem Ansinnen lange Zeit erfolgreich.

Seit die Kirch-Gruppe die Mehrheit hält, wittern die Teams eine neue Chance. Ihr Ziel ist es, eine Sperrminorität von mindestens 25,1 Prozent zu erhalten. Kirch weiß, dass er nicht gegen die Teams arbeiten kann. Ein Einstieg der Autobauer in die SLEC ist damit wahrscheinlicher als eine neue Rennveranstaltung.