Streit um Verstaatlichung: Chávez droht USA mit Ölboykott - DER SPIEGEL
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Streit um Verstaatlichung Chávez droht USA mit Ölboykott

Ein Gerichtsurteil hat den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zu wüsten Drohungen gegen die USA veranlasst. Weil der oberste britische Gerichtshof zwölf Milliarden Dollar der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA einfror, denkt der Staatschef jetzt über einen Lieferboykott nach.
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Caracas - Um markige Worte war Chávez noch nie verlegen. Diesmal bezeichnete er die Chefs von Exxon Mobil in seiner Fernseh- und Radiosendung "Alo Presidente" als "Banditen". Sie seien Kriminelle mit weißen Kragen und würden Regierungen korrumpieren

Doch bei der Attacke gegen die Exxon-Manager ließ es Chávez nicht bewenden. "Wer Geld einfriert und uns damit schadet, dem werden wir schaden", drohte er. Dann werde er "dem Imperium der Vereinigten Staaten nicht einen einzigen Tropfen Erdöl" mehr liefern. Er habe Energieminister Rafael Ramirez schon entsprechende Anweisungen gegeben.

Chávez versicherte, der "Angriff von Exxon Mobil" sei Teil eines größeren Gesamtprojekts gegen Venezuela, das im südamerikanischen Land unter anderem zu Lebensmittelknappheit und Gewalt auf den Straßen geführt habe. Ausländische Kräfte und oppositionelle Venezolaner wollten vor den für Ende des Jahres angesetzten Regionalwahlen in Venezuela Unruhe auslösen.

Teil eines größeren Gesamtprojekts

Hintergrund ist eine Auseinandersetzung zwischen der Exxon Mobil und der staatlichen Ölgesellschaft des Landes. Venezuela hatte im vergangenen Juni die ausländischen Ölfirmen gezwungen, mindestens 60 Prozent ihres Geschäfts an PDVSA zu übertragen. Exxon Mobil und Conoco Phillips zogen sich daraufhin aus Venezuela zurück, während die meisten anderen Firmen die Bedingungen akzeptierten und ihre Aktivitäten im Land fortsetzten. Exxon Mobil fordert jedoch eine Entschädigung für die Enteignung der Ölfelder.

Vergangene Woche erzielte der US-Konzern einen spektakulären Erfolg: Das oberste britische Gericht gab einer Klage statt, das Vermögen der staatlichen Petroleos de Venezuela (PdVSA) im Wert von bis zu zwölf Milliarden Dollar einzufrieren. Ein US-Gericht hatte zuvor bereits 300 Millionen US-Dollar von PDVSA eingefroren. Das Geld soll dem US-Konzern als Sicherheit dienen, bis die Frage der Entschädigungen geklärt ist.

Der venezolanische Ölminister Rafael Ramirez musste darauf bereits die Furcht in seinem Land dämpfen, das Einfrieren des Vermögens könne Einfluss auf die Ölindustrie des Landes haben. Der Minister hatte betont, die Maßnahme sei nur vorübergehend.

Maßnahmen der venezolanischen Regierung könnten sich auf den Ölmärkten durchaus bemerkbar machen. Als viertgrößter Lieferant deckt Venezuela rund neun Prozent des amerikanischen Ölbedarfs. Zwar wäre es möglich, die Lieferungen durch andere zu ersetzen, doch die Weltmärkte reagieren auf Nachrichten dieser Art zurzeit extrem nervös. Chávez warnte bereits, bei einer "Fortsetzung des Erdölkrieges gegen Venezuela" könne der Ölpreis auf 200 US-Dollar pro Barrel in die Höhe schießen.

mik/Reuters/Dow Jones/dpa-AFX