Streitbarer Pater: Kohl-Intimus Streithofen gestorben - DER SPIEGEL
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Streitbarer Pater Kohl-Intimus Streithofen gestorben

Er war bekannt für seine drastischen Äußerungen zur Tagespolitik und ließ in seiner Kritik keine Partei aus. Nun ist der Dominikanerpater und Sozialwissenschaftler Basilius Streithofen im Alter von 80 Jahren gestorben.
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Bonn - Der Berater von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) starb am Dienstag kurz vor seinem 81. Geburtstag im Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg in Bonn, teilte der stellvertretende Institutsleiter Wolfgang Ockenfels mit. Streithofen, ein konservatives Mitglied der CDU, hatte in seinen teils umstrittenen Äußerungen seine eigene Partei ebenso kritisiert wie die Grünen, die Sozialdemokraten und den Deutschen Gewerkschaftsbund.

Über die CDU sagte er einmal, in ihr seien auch "machtpolitische
Schwachmatiker, Gschaftlhuber oder opportunistische
Schönschwätzer/innen". Die katholischen Bischöfe zieh er wegen ihrer Haltung gegenüber dem päpstlichen Verbot, durch Beratungsscheine den Weg zur straffreien Abtreibung zu öffnen, der Doppelmoral, und den deutschen Christen attestierte er eine sehr laue Einstellung zum Glauben.

Der am 20. Dezember 1925 in Anrath bei Krefeld geborene Streithofen machte zunächst eine Lehre als Textilkaufmann. Während des Zweiten Weltkrieges entschloss sich der 17-Jährige, Priester zu werden. In den Dominikanerorden trat er 1950 ein. Nach Philosophie und Theologie studierte er als Priester zudem Soziologie und Volkswirtschaft. 1967 promovierte er im schweizerischen Fribourg mit einer Arbeit über die "Wertmaßstäbe der Gewerkschaftspolitik". Im selben Jahr ging er an das Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg und leitete es seit 1993.

Als eine Art politischer Beichtvater prominenter Christdemokraten
gewann Streithofen Einfluss in der Partei. Der von ihm begründete "Walberberger Kreis" wurde zum regelmäßigen Treffpunkt der Parteiprominenz. Zu Helmut Kohl hatte er bereits zu dessen Zeit als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident gute Beziehungen. Aber auch zur SPD hatte er Kontakte. Unvergessen ist vielen jene legendäre Begegnung von Herbert Wehner und den Dominikanern, die 1969 im Kloster Walberberg stattfand.

Aufsehen erregte Streithofen, als er im Februar 1991 bei einer
Bundeswehrveranstaltung zum Golf-Konflikt die Forderung erhob, Deutschland dürfe nicht "im pazifistischen Abseits herumdümpeln". Für große Aufregung sorgte 1992 auch eine öffentliche Äußerung, Polen und Juden seien die "größten Ausbeuter des deutschen Steuerzahlers". Ein daraufhin gegen ihn eingeleitetes Beleidigungsverfahren wurde zwei Jahre später gegen eine Zahlung von 4000 Mark (gut 2000 Euro) an eine Kinderklinik eingestellt, nachdem Streithofen selbst seine Äußerungen bedauert hatte.

Der Termin der Beerdigung stand heute noch nicht fest. Ein Sprecher des Dominikanerklosters Heilig-Kreuz in Köln, zu dem
Streithofen gehörte, sagte, in dieser Woche werde der Verstorbene voraussichtlich nicht mehr zu Grabe getragen.

kai/dpa