Strom-Außenhandel "Allein entscheidend ist der Preis"
Leipzig/Hamburg - Nach vorläufigen Berechnungen der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) hat Deutschland 1999 40,5 Milliarden Kilowattstunden eingeführt, eine Milliarde weniger ausgeführt. Ob Österreich, Schweiz, Frankreich, Dänemark, Niederlande, Belgien, Polen oder Tschechien - von gut einem dutzend Ländern bekommen deutsche Energiekonzerne Strom oder liefern selbst dorthin. Über Umwege gelangt auch billig produzierte Energie aus Russland, der Ukraine oder Weißrussland zumindest rechnerisch in deutsche Haushalte, erläutert Thomas Pilgram, Marketingmanager der neuen Leipziger Strombörse LPX.
Dabei sei es völlig egal, so Pilgram, ob der Strom mit sauberer Solartechnik und Wasserkraft oder per Gas- und Atomkraftwerken produziert werde. "Einzig allein entscheidend ist der Preis." Bereits jetzt sind 162 Kernkraftwerke in 13 kontinentaleuropäischen Ländern an das europäische Verbundnetz angeschlossen. Und mit der weiteren Liberalisierung der nationalen Energiemärkte werde auch der grenzüberschreitende Handel weiter zunehmen, versichert Pilgram.
Das Ausmaß von Ex- und Importen im Strommarkt hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, zum Beispiel den klimatischen Bedingungen oder der Konjunktur in einem Land. Wenn die Wirtschaft brummt, wird mehr Strom verbraucht und importiert. Wenn der Winter hart oder der Sommer besonders trocken ist, ebenfalls. So musste Frankreich vor wenigen Jahren in einem besonders heißen Sommer vergleichsweise viel Strom importieren, weil es zu wenig Wasser für die Kühlung der Kernkraftwerke gab.
Was die Schließung eines Meilers kurzfristig für den Strompreis bedeuten kann, zeige das Beispiel Schweden, so Pilgram. Als kürzlich südlich von Göteborg ein AKW abgeschaltet wurde, stieg der Preis für einen Tag astronomisch in die Höhe: auf rund 200 Mark pro Megawatt. Gegenwärtig pendelt er um die 40 Mark. Pilgram versteht die Politik der Regierungskoalition nicht: "Auf der einen Seite liberalisiere ich die Märkte, um die Strompreise zu senken, auf der anderen Seite kappe ich ein Drittel der Produktion."