Stromausfall Politiker fordern Prüfung aller Masten
Hamburg - "Um zu garantieren, dass die Stromversorgung auch bei Unwettern gesichert ist, sollten die Konzerne jetzt bundesweit alle Strom-Masten auf ihre Standfestigkeit überprüfen", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer der "Bild"-Zeitung. Die Energieversorger hätten fast eine Monopolstellung und damit eine besondere Verantwortung.
Auch in der SPD gibt es Stimmen für eine rasche Kontrolle des Stromnetzes. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, sagte: "Die Konzerne sind in der Pflicht, die Sicherheit aller Strommasten zu gewährleisten. Bei älteren Anlagen ist eine sofortige Überprüfung unerlässlich." Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Tabillion nannte in der Zeitung eine sofortige Sicherheitsanalyse des Gesamtnetzes "angebracht", auch wenn es keine absolute Sicherheit gegen jede denkbare Naturkatastrophe geben könne.
Nach dem Stromkonzern RWE hatten gestern auch Deutschlands größter Energieversorger, E.on und der baden-württembergische Stromversorger EnBW eingeräumt, dass Tausende Strommasten in ihrem Leitungsnetz mit dem für Versprödung anfälligen Thomas-Stahl gebaut worden seien. Die Masten sollen in den kommenden Jahren nach und nach ausgetauscht werden.
Die Stromausfälle im nordrhein-westfälischen Münsterland sind seit Mitte vergangener Woche behoben. Die Ausfälle, zu denen es durch gerissene Leitungen und umgestürzte Strommasten infolge heftiger Schneefälle gekommen war, betrafen zeitweise 250.000 Menschen. Für die Betriebe in der Region hat der Stromausfall nach ersten Schätzungen der Industrie- und Handelskammer Münster einen Schaden von mehr als 100 Millionen Euro verursacht. Die meisten betroffenen Leitungen betreibt der RWE-Konzern.
Nach Angaben von RWE waren bei einer Untersuchung im Jahr 2001 rund 28.000 Strommasten des Konzerns als bruchgefährdet eingestuft worden. Bruchgefährdet seien vor allem Masten, die bis 1967 aus Thomas-Stahl errichtet wurden. Laborversuche hätten gezeigt, dass sich die Festigkeit dieses Materials im Vergleich zu den rechnerisch ermittelten Werten auf bis zu 60 Prozent reduzieren könne, erklärte RWE. Die Sanierung soll in zehn Jahren abgeschlossen sein und 550 Millionen Euro kosten. In einer Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag muss RWE-Vertriebschef Berthold Bonekamp nun erklären, wie es zu dem Stromausfall kommen konnte.