Strombranche Preise steigen wieder
Düsseldorf - Vorreiter sind möglicherweise Energieversorger aus Nordrhein-Westfalen: Mehrere Versorger hätten Anträge auf Preisanpassungen gestellt, sagte ein Sprecher des NRW-Wirtschaftsministeriums am Montag. Namen nannte er nicht. Die eingereichten Anträge werden nach Auskunft des Sprechers zurzeit geprüft. "Wir untersuchen, ob die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht auch über Einsparungen im Personalbereich oder beim Einkauf verringern können."
Eine Sprecherin von VEW bestätigte, dass das Unternehmen einen Antrag auf Preiserhöhung von zwei Pfennig pro Kilowattstunde gestellt habe. Bei der RWE hieß es, man spreche mit dem Ministerium. Begründet wurden die Strompreispläne mit neuen Gesetzen, die der Branche Milliardenkosten bescherten.
Seit April und Mai gelten diese Gesetze zur Förderung erneuerbarer Energien und zum Schutz der Kraft-Wärme-Kopplung. Der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) hatte jüngst erklärt, die neuen Gesetze belasteten die Stromwirtschaft allein im laufenden Jahr mit fast zwölf Milliarden Mark. Diesen Betrag müssten die Unternehmen an die Verbraucher weitergeben.
Beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU) in Köln, dessen 570 in der Energieversorgung tätigen Mitglieder rund 30 Prozent Marktanteil halten, rechnet man ebenfalls mit Preisanhebungen in den kommenden Monaten. Von einer Anhebungswelle sei aber nicht auszugehen, hieß es. Der Hamburger Energiekonzern HEW warte hingegen noch bis zum Spätsommer ab. "Die neuen Energiegesetze haben uns Kosten von 200 Millionen Mark im laufenden Geschäftsjahr beschert", sagte HEW-Sprecher Johannes Altmeppen. Es werde auf Dauer schwer, diese Belastungen zu verkraften.
Sprecher der Berliner Bewag und der Münchner e.on sagten, es gebe zurzeit keine konkreten Pläne, den Strompreis zu erhöhen. Man prüfe aber sehr genau, inwieweit die von der Politik gewollten Belastungen verkraftet werden könnten, sagte ein Sprecher der e.on Energie und verwies auf die Preispolitik der Mineralölbranche.