Stromkonzerne Netzagentur senkt Leitungsgebühren
Bonn - In den Energiemarkt kommt Bewegung: Die Bundesnetzagentur hat die Gebühren für die Stromdurchleitung deutlich gesenkt. Bei RWE hat die Agentur die Kosten, die das Unternehmen für den Betrieb seiner Leitungen beantragt hat, um 28 Prozent gekürzt. Vattenfall muss um 15 Prozent senken und EnBW sogar um 29 Prozent - rückwirkend zum 1. Januar. Laut "Bild" will die Netzagentur auch bei den Stadtwerken Kürzungen von bis zu 14 Prozent durchsetzen.
"Die Absenkung sollte die Entwicklung der Strompreise dämpfen und somit den Verbrauchern zu Gute kommen", sagte der Präsident der Netzagentur, Matthias Kurth.
Zeitungsberichten zufolge hat die Gebührensenkung bereits Auswirkungen: Branchenführer E.on und EnBW kündigten an, die Kostenentlastung komplett an ihre Kunden weiterzugeben und die Strompreise zu senken. Wann und in welcher Dimension dies geschehe, wollen die Strom-Giganten aber erst entscheiden, wenn ihnen die Gebührenbescheide für ihre Regionalnetze vorliegen, berichtet die "Berliner Zeitung".
Tatsächlich dürfte die Senkung für Privatkunden aber kaum ins Gewicht fallen. Zum einen machen die Netzgebühren nur rund ein Drittel des Strom-Endpreises aus. Zum anderen steigen die Beschaffungskosten der Unternehmen, so dass die höheren Kosten bei der Stromerzeugung die niedrigeren Netzentgelte wett machen könnten.
Die Bundesnetzagentur hatte bereits für 2007 die Entgelte deutlich gekürzt. Sie will damit den Wettbewerb auf dem Energiemarkt ankurbeln. Niedrigere Durchleitungspreise machen es auch für kleinere Anbieter rentabler, die Netze zu nutzen - es entsteht mehr Wettbewerb, was tendenziell die Preise drückt.
In gewisser Weise hat diese Strategie Erfolg: Laut "Berliner Zeitung" haben im letzten Jahr mehr als eine Million Kunden den Versorger gewechselt. In den letzten zwei Jahren sei auf dem deutschen Strommarkt "mehr passiert als in den 20 Jahren davor", sagt Kurth der Zeitung.
Der Chef-Regulierer erwartet, dass sich der Wettbewerb weiter verschärfen wird. Für die Kunden wäre das von Vorteil: Je größer der Wettbewerb ist, desto schneller fallen die Strompreise. In Berlin hätten 250.000 Verbraucher dem Versorger Vattenfall den Rücken gekehrt. Das zeige eine gewisse Macht der Stromkunden, ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu verhindern.
Allerdings habe sich der Wettbewerb noch nicht in allen Regionen hinreichend entwickelt. "In Berlin gibt es bisher 2008 überhaupt keine angekündigte Preiserhöhung, in Bayern aber von neun Prozent", sagt Kurth.
ssu/AFP/dpa/ddp/Reuters