Strompreis-Erhöhung Marktführer E.ON und RWE greifen zu
Düsseldorf/München - Durchschnittlich haben E.ON und RWE die Preise für Privatkunden um 2,7 Prozent erhöht. Ein Sprecher der E.ON Energie in München begründete die Preissteigerung vor allem mit höheren Kosten bei der Stromerzeugung und Durchleitung. Darüber hinaus spiegelten sich in den Preisen auch Belastungen durch den Staat wider.
Nach Angaben von RWE bedeutet die Preiserhöhung um durchschnittlich 2,7 Prozent für einen Drei- bis Vier-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden eine Mehrbelastung von rund 1,35 Euro pro Monat. Grund für die Erhöhung seien erhöhte Beschaffungspreise etwa für Gas und Importkohle.
"Wir können das nicht nachvollziehen"
Außerdem werde sich der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung weiter erhöhen. Durch die gesetzlich festgelegte Vergütung für diesen Strom stiegen die Beschaffungskosten. Insgesamt betrage der Anteil der gesetzlichen Belastungen am Strompreis im Durchschnitt knapp 40 Prozent, betonte das Unternehmen.
"Wir können das nicht nachvollziehen", sagte dagegen der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, in einem Interview. Die Beschaffungskosten für Gas seien gesunken. Auch die Preise für Importkohle rechtfertigten Preiserhöhungen nicht, da in Deutschland überwiegend einheimische Stein- und Braunkohle eingesetzt werde.
Bund der Energieverbraucher fordert Preissenkung
Die Berliner Bewag als größter kommunaler Energieversorger in Deutschland will vorerst nichts an ihren Preisen ändern. Sie ist eine Tochter des drittgrößten deutschen Stromversorgers Vattenfall Europe. Die Nummer vier, EnBW, plant derzeit keine weitere Erhöhung. Der Konzern aus Baden-Württemberg hatte die Preise für Privatkunden zuletzt am 1. September 2003 um gut fünf Prozent angehoben. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Stromverbrauch von 3600 Kilowattstunden pro Jahr bedeute dies eine Mehrbelastung von 2,94 Euro brutto pro Monat.
Nach Ansicht des Bundes der Energieverbraucher wären derzeit Preissenkungen statt Preiserhöhungen angesagt. "Wir fordern, dass die weit überhöhten Strompreise gesenkt werden", sagte Peters. Nach seinen Berechnungen seien bereits 2003 die Strompreise für Privatkunden um drei bis vier Cent pro Kilowattstunde zu hoch gewesen. Die Energiekonzerne stellten den Verbrauchern mehr in Rechnung, als an Kosten unter anderem durch Windenergie-Vergütung entstünden. Abgesehen davon hätten E.ON und RWE Gewinnsprünge erzielt. "Das ist nicht gerade ein Indiz dafür, dass die Strompreise zu niedrig waren."