Stromversorgung New Yorkern droht ein neuer Blackout
New York - "Amerika ist eine Weltmacht mit einem Dritte-Welt-Stromnetz" klagte Bill Richardson, Gouverneur New Mexikos, nach dem Stromausfall in New York. Am 14. August um 16.11 Uhr begann in der Metropole plötzlich der Ausnahmezustand. Klimaanlagen, Computer, Telefone stehen still, nichts geht mehr. Die Sieben-Millionen-Einwohner-Metropole ist für Stunden vom Netz - ein Blackout der Superlative.
2600 Megawatt zusätzliche Energie benötigt New York bis zum Jahr 2008. Ohne den neuen Strom droht entweder ein neuer Blackout oder Unterversorgung - kein Licht für die New Yorker zwischen 3 und 5 Uhr morgens?
Ein neues Versorgungsnetz, die so genannte Empire Connection Line des Konzerns Conjunction LLC, sollte Abhilfe schaffen. Das Projekt würde nach seiner Umsetzung rund 2000 Megawatt günstig aus dem Norden New Yorks in die Stadt bringen. Eine Menge Saft, die sonst nur vier groß Kraftwerke in der Stadt erzeugen könnten. Durch den neuen Versorger würden die New Yorker Verbraucher sogar sparen: nach ersten Berechnungen etwa 600 Millionen Dollar pro Jahr.
Am vergangenen Freitag wollte die Conjunction LLC den Zugang zu ihren Leitungen versteigern. Die Einnahmen aus der Auktion sollten als Sicherheit für ein Darlehen von rund 500 Millionen Dollar dienen, die Conjunction als Anschubfinanzierung benötigt. Doch die Energiekonzerne machten einen Rückzieher, die Auktion wurde abgesagt.
"Immer wieder musste ich mir anhören, dass die Finanzabteilungen den Investoren einen Strich durch die Rechnung machten", sagt Conjunction-Geschäftsführer Steve Mitnick. "Den Konzernen ist der Energiemarkt zur Zeit zu unsicher."
Branche ist durch Enron-Pleite geschwächt
Dabei hatte Conjunction das Angebot bereits im Sinne der Investoren überarbeitet und statt einer zehnjährigen Vertragslaufzeit eine fünfjährige angeboten. "Nach dem Enron-Fall ist in der Branche niemand mehr bereit, so lange Verpflichtungen einzugehen", erklärt Mitnick das Entgegenkommen. "Doch selbst das konnte uns nach dieser spektakulären Pleite nicht mehr helfen."
Der texanische Energiehändler Enron war Ende 2001 nach massiven Bilanzfälschungen in den Bankrott gestürzt, die ehemaligen Manager des Konzerns stehen heute vor Gericht. Nach dem Zusammenbruch verringerten andere Energiekonzerne ihre Investitionen in den Markt, das Leitungsnetz wurde nicht ausgebaut und so verschlechterte sich auch die Chance der New Yorker auf eine bessere Versorgung.
Conjunction will dennoch weiter mit den Investoren verhandeln. "Wir hoffen immer noch, dass wir eine für alle verträgliche Lösung finden", sagt Geschäftsführer Mitnick. Das Netz seines Konzerns würde 130 Kilometer umfassen und genug Strom für zwei Millionen Haushalte liefern - eine Menge, die einen neuen Blackout in New York verhindern würde.