Studie: Bürokratie und Missmanagement nervt Beamte - DER SPIEGEL
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Studie Bürokratie und Missmanagement nervt Beamte

Trotz aller Klischees: Deutsche Beamte sind, genau wie viele Bürger, entnervt wegen der ständig steigenden Zahl von Vorschriften. Einer neuen Studie zufolge sind die Staatsdiener zudem über Missmanagement und Korruption verärgert.
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Berlin - Nicht nur die ausufernde Bürokratie nervt Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst. Zudem beklagen sie Missmanagement mit öffentlichen Geldern und ein "hohes Maß" an Einflussnahme bis hin zu massiven Korruptionsversuchen. Zu dieser Erkenntnis kommt eine in Berlin vorgestellte Studie, die der Versicherer DBV-Winterthur beim F.A.Z. Institut in Auftrag gegeben hat.

Knapp neun von zehn Beamten klagen demnach über ausufernde bürokratische Vorschriften. Über die Qualität der Einflussnahme wurden keine genaueren Angaben gemacht. Allerdings sei auch die Sensibilität dafür in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen, hieß es.

Viele Bürger machten die 4,7 Millionen Staatsdiener für den hohen bürokratischen Aufwand der Verwaltung verantwortlich. Dagegen stehe der Wunsch etwa jedes zweiten Befragten nach mehr Freiraum für Eigeninitiativen und die Kritik an den hierarchischen Strukturen innerhalb der Behörden, erläuterte DBV-Winterthur-Chef Frank Keuper, dessen Unternehmen traditionell im öffentlichen Dienst versichert.

Beinahe jeder zweite Beamte und Angestellte spreche sich grundsätzlich für eine weitere Privatisierung des öffentlichen Sektors aus, heißt es in der Studie "Öffentlicher Dienst". Die derzeitigen Umstrukturierungen im öffentlichen Dienst würden also grundsätzlich begrüßt und als Chance verstanden.

"Klischees und Vorurteile bestimmen das Bild, das sich die Öffentlichkeit über Beamte, Angestellte und Arbeiter im öffentlichen Dienst macht", hieß es weiter. Doch das Selbstbild der Staatsdiener unterscheide sich von den Ansichten der Bürger grundlegend. Mehr als 90 Prozent der Bediensteten seien überzeugt, dass sie sich durch ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein auszeichneten.

Berufsethos stark ausgeprägt

Über 80 Prozent höben die eigene Fachkompetenz hervor. Zwei Drittel gäben an, dass sie die Loyalität gegenüber ihrem Arbeitgeber über eigene persönliche Interessen stellten. Bei der jüngeren und mittleren Generation der Bediensteten sowie bei Führungskräften unter den Beamten sei das Berufsethos besonders stark ausgeprägt.

Dagegen seien die Bürger vom Verantwortungsbewusstsein und der Kompetenz der Beamten und öffentlichen Angestellten deutlich weniger überzeugt. Allerdings fielen die Urteile je nach gesellschaftlicher und beruflicher Stellung sehr unterschiedlich aus. So hätten Frauen ein deutlich positiveres Bild von Beschäftigten im öffentlichen Dienst als Männer. Besserverdiener und Selbstständige äußern sich wesentlich kritischer als Personen aus unteren und mittleren Einkommensgruppen. Rentner, Hausfrauen und Arbeiter hätten eine deutlich höhere Wertschätzung für Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst.

Nach den Worten des Präsidenten des Deutschen Städtetages, Christian Ude (SPD), kann allein flächendeckende und professionelle Personalentwicklung dazu beitragen, den Arbeitsplatz Stadtverwaltung im Spannungsfeld zwischen steigenden Anforderungen und schrumpfenden Finanzen auch in Zukunft attraktiv zu machen. Ohne motiviertes und qualifiziertes Personal könne heute keine effiziente Verwaltungsleistung mehr erbracht werden, sagte der Münchner Oberbürgermeister im "dbb magazin".

tim/dpa