Studie: Einige EU-Kandidaten besser als Alt-Mitglieder - DER SPIEGEL
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Studie Einige EU-Kandidaten besser als Alt-Mitglieder

Dünkel von alteingesessenen EU-Mitgliedsstaaten gegenüber den Beitrittkandidaten ist unangebracht. So schneiden zum Beispiel Estland und Slowenien in punkto Wettbewerbsfähigkeit schon jetzt besser ab als einige Alt-Mitglieder. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Weltwirtschaftsforums in Genf.
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Genf - Danach stehen Italien, Portugal und Griechenland in vielen Disziplinen schlechter da als die beiden EU-Neulinge. Aber auch die übrigen Mitgliedsstaaten der EU könnten sich nach den Ergebnissen der Studie nicht zurücklehnen. Insgesamt liege die Gemeinschaft noch weit hinter ihrem Ziel zurück, 2010 die wirtschaftsstärkste Region der Welt darstellen zu wollen.

Dieses beim EU-Gipfel in Lissabon im Jahr 2000 gefasste Endziel sehe derzeit nur die skandinavischen Staaten Finnland, Dänemark und Schweden in einer guten Position, da sie die USA in vielen Bereichen überflügelten, schreibt das Forum, das alljährlich im Schweizer Davos die Prominenz aus Wirtschaft und Politik versammelt. Nach den Lissabonner Zielen soll in der Europäischen Union bis 2010 überall eine Informationsgesellschaft aufgebaut und die Märkte fast komplett liberalisiert sein.

Einen wichtigen Beitrag dazu werden die zukünftigen Mitglieder aus Osteuropa leisten. Denn dort wurden mit der Überwindung der staatlich gelenkten Wirtschaft moderne Wirtschaftssysteme installiert. Die Industrie ist inzwischen fast vollständig privatisiert, Handel und Kapitalverkehr liberalisiert. Was die Rahmenbedingungen betrifft, sind die Neu-Mitglieder also deutlich im Vorteil.

Und diesen nutzen sie nach Kräften aus, um den alteingesessenen EU-Staaten im Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmensstandorten Konkurrenz zu machen. Flexible Arbeitszeiten, Billiglöhne und extrem niedrige Steuern sind für die umworbenen Unternehmen gute Argumente, um über die Verlagerung nach Osteuropa nachzudenken. Mehr noch: Wer sich nicht rechtzeitig ein Standbein in diesen Regionen aufbaut, wird es später schwer haben, gegen die Konkurrenz zu bestehen.

Experten wittern bereits eine große Gefahr für die alten Standorte, die noch immer in alten Strukturen gefangen sind. Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts, befürchtet gar, dass eine lang anhaltende Niedriglohn-Konkurrenz durch Ost-Standorte eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt wird. Die Folge wären weniger Wachstum, niedrigere Einkommen und geringerer Wohlstand.