Studie Europabörse iX bringt nichts
London/Frankfurt am Main - In der Studie des Instituts heißt es, dem Interesse der Märkte werde besser gedient, wenn die Börsen getrennt blieben. Die Börsenfusion werde nicht zur Effizienzsteigerung der Finanzmärkte beitragen. Das CSFI ist ein angesehenes, von 50 Firmen der Londoner City getragenes Studienzentrum.
"Die Mitglieder beider Organisationen sollten erwägen, ihre Börsen aufzufordern, noch einmal von vorne anzufangen und einen besseren Vorschlag vorzulegen. iX ist größer, aber nicht besser, und sollte deshalb nicht verwirklicht werden", heißt es in dem Bericht der CSFI.
Nach Ansicht des Instituts liegt der einzige Vorteil einer Fusion in einem gemeinsamen Management. Die Fusion löse aber das dringendste Problem des Aktienmarktes nicht, da keine gemeinsame technische Handelsplattform geschaffen werde. Außerdem gebe es weder hinsichtlich der Besteuerung noch hinsichtlich der Aufsicht einen wesentlichen Vorteil, weil beides weiterhin getrennt bleiben soll. Dies gelte auch für die Bilanzierungsrichtlinien der börsennotierten Unternehmen.
Andrew Hilton, einer der Autoren des Berichtes des Centre for the Study of Financial Innovation, sagte: "Das Problem des europäischen Aktienhandels besteht nicht darin, dass es zu viele Börsen gibt, sondern es besteht in der Unordnung am Ende: Verwirrung bei der Abrechnung, unterschiedliche Besteuerung, Bilanzierung und Aufsicht."
Nach Angaben des "Daily Telegraph" erschwert der Bericht die Bemühungen des Chefs der London Stock Exchange (LSE), Don Cruickshank, bei einer Abstimmung der LSE- Eigentümer die Zustimmung zu der Fusion mit der Deutschen Börse Frankfurt zu bekommen. Die Abstimmung findet am 14. September statt, und es wird eine Mehrheit von drei Vierteln benötigt.
Die Aufsichtsbehörden in Deutschland und England wollen sich um eine Angleichung der Börsenvorschriften bemühen. Auf deutscher Seite sind das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) sowie das hessische Wirtschaftsministerium beteiligt. Der Gegenpart an der Themse ist die Financial Services Authority. Zunächst solle eine Bestandsaufnahme der deutschen und britischen Regelungen gemacht werden. In einem zweiten Schritt sollen die Vorschriften angeglichen werden. Vor allem Marktmissbrauch und Insiderhandel sollen verhindert und andererseits Transparenz und Anlegerschutz gewährleistet werden.
Die gemeinsame Börse iX soll nach den bisherigen Planungen ihren Sitz in London haben, doch sollen die Wachstumswerte in Frankfurt gehandelt werden, auch wenn London rechtlicher Standort des Wachstumsmarktes werden soll. Zudem wird eine Zusammenarbeit mit der US-Technologiebörse Nasdaq angestrebt.
In der vergangenen Woche hatte UBS Warburg als erste große Investmentbank der Londoner City Zweifel an der Börsenfusion laut werden lassen. "Wir glauben, dass bis zur Abstimmung noch viel Arbeit zu leisten ist", sagte ein Sprecher der Bank.