Studie Experten sehen Wirtschaftskrise als Chance
Düsseldorf - Die Krise als schöpferische Pause - so zumindest sehen es die Forscher des privaten Forschungsinstituts Prognos in ihrem Globalisierungsreport 2009, der dem "Handelsblatt" vorliegt.
Automobilproduktion: Ernstzunehmendes Risiko für die deutsche Wirtschaft
Foto: DDPDie deutsche Wirtschaft habe alle Möglichkeiten, nach der Weltrezession noch konkurrenzfähiger dazustehen als zuvor, glauben die Experten - wenn Politik und Unternehmen aus dem jüngsten Exporteinbruch die richtigen Lehren zögen.
"Wenn einige Stellschrauben nachjustiert und im Aufschwung angesammelte Ineffizienzen jetzt beseitigt werden, kann Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgehen", sagte Prognos-Experte Michael Böhmer.
Nicht alles, was jetzt als Gefahr gesehen werde, stelle auch tatsächlich eine Bedrohung für Deutschlands Geschäftsmodell dar, heißt es in der Studie. Der nachlassende Investitionshunger der Schwellenländer und protektionistische Tendenzen wie etwa die "Buy American"-Aufrufe in den USA dürften "eher temporäre" Erscheinungen sein.
Als "ernstzunehmendes Risiko" für Deutschland sehen die Ökonomen stattdessen die sinkende Nachfrage nach Automobilen, die im vergangenen Jahr 58 Prozent zum deutschen Handelsbilanzüberschuss beisteuerten, gefolgt von Exporten des Maschinenbaus und der Chemieindustrie.
"Die Herausforderung für die Autoindustrie liegt darin, in schrumpfenden Märkten zu wachsen", so Prognos - und zwar ohne Abwrackprämien. Da Deutschland Weltspitze im Fahrzeugbau und in der Umwelttechnologie sei, habe es gute Chancen, aus dem gestiegenen Umweltbewusstsein der Verbraucher Vorteile ziehen zu können.
"Das Schicksal der deutschen Exporteure hängt aber nicht allein davon ab, was sie ausführen - sondern vor allem auch wohin", zitiert das "Handelsblatt" die Prognos-Studie weiter. Dabei sollten sich die Unternehmen nicht vom falschen Charme der Trendregionen blenden lassen, sondern ihre Entscheidung anhand harter Fakten treffen. "Die wichtigsten Absatzmärkte bleiben die EU und die USA - obwohl sie in der Krise stark getroffen wurden", sagte Prognos-Ökonom Böhmer.
In Asien zählten nicht etwa die Riesen China und Indien zu den Top-Regionen, sondern die hochentwickelten Standorte Singapur, Hongkong und Japan. Selbst Malaysia sei für Unternehmen attraktiver als China, und das krisengeschüttelte Thailand rangiere im Ranking der 100 attraktivsten Volkswirtschaften vor Indien.