Studie: Hartz-IV-Empfänger werden kaum vermittelt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Studie Hartz-IV-Empfänger werden kaum vermittelt

Bitteres Studienergebnis: Pro Monat werden nur 3,4 Prozent der Langzeitarbeitslosen in Jobs vermittelt. BA-Chef Weise sieht den Grund im Organisationschaos. Arbeitsagenturen und kommunale Träger streiten seit langem, wer besser vermittelt - die Leidtragenden sind die Arbeitslosen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Integration von Hartz-IV-Empfängern in den ersten Arbeitsmarkt gelingt nach einer Studie der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) nur äußerst selten. Gerade einmal 3,4 Prozent der erwerbsfähigen Langzeitarbeitslosen schaffen demnach jeden Monat im Bundesdurchschnitt den Sprung in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Wie die Studie weiter ergab, gelang es den Arbeitsagenturen besser, diese Härtefälle in Jobs zu führen als den kommunalen Trägern, auch Optionskommunen genannt. Seit der Arbeitsmarktreform 2005 sind diese Kommunen mit der Betreuung von Arbeitslosen betraut. Ihre Erfolge blieben allerdings hinter ihren Möglichkeiten zurück, sagte eine BA-Sprecherin.

So kamen die Arbeitsagenturen in den von ihnen alleine verantworteten Bereichen auf eine Vermittlungsquote von 4,1 Prozent, die kommunalen Träger aber nur auf 3,6 Prozent. Die Arbeitsgemeinschaften (ARGEN) aus Agenturen und Kommunen, die etwa 90 Prozent der Fälle abdecken, kommen im Schnitt auf 3,4 Prozent. Die höhere Zahl bei den Optionskommunen sei darauf zurückzuführen, dass sie sich überwiegend in Regionen mit günstiger Arbeitsmarktlage befänden, erläuterte die BA.

Behördenchef Frank-Jürgen Weise zeigte sich mit dem Gesamtergebnis unzufrieden: "Die Vermittlung Langzeitarbeitsloser und erwerbsfähiger Hilfsbedürftiger ist insgesamt noch nicht gut", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Weise nannte die zersplitterten Zuständigkeiten einen Grund für die niedrigen Vermittlungszahlen. "Es kann nicht sein, dass wir bei der gegenwärtigen guten Konjunktur und den sonstigen Erfolgen bei der Arbeitsvermittlung wegen Organisationsfragen dem Teil der Menschen schlechter helfen können, die es besonders schwer haben", kritisierte er. Besserung könne die Neuordnung der Arbeitsmarktinstrumente bringen, für die Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) einen guten Entwurf vorgelegt habe, sagte Weise der Zeitschrift "impulse".

Bund und Länder verhandeln derzeit über eine Neuordnung der Zuständigkeiten. Das Bundesverfassungsgericht hatte voriges Jahr die Mischzuständigkeit von Arbeitsagenturen und Kommunen in den Arbeitsgemeinschaften für verfassungswidrig erklärt. Arbeitsminister Olaf Scholz strebt eine getrennte Aufgabenwahrnehmung an, wobei Agenturen und Kommunen aber unter dem Dach eines "Jobcenters" eng zusammenarbeiten sollen.

kjo/AFP/Reuters