Studie Kliniken droht Milliardendefizit
Berlin - Die Situation ist ziemlich desaströs - selbst wenn sich in den anstehenden Lohnrunden die Arbeitgeber mit ihrem Angebot durchsetzen. Dann würden den deutschen Krankenhäusern bis 2009 zwischen 1,3 und 1,5 Milliarden Euro fehlen. Je näher die Tarifabschlüsse an die Forderungen der Gewerkschaften herankommen, desto größer wird auch das Finanzloch. Im Extremfall könnten 2,2 Milliarden Euro fehlen. Das besagt eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI).
Der Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft Georg Baum warnte, vielen Häusern drohe das endgültige Aus. Die Patienten spüren den chronischen Geldmangel laut Baum deutlich. Sie klagten "längst über längere Wartezeiten, weniger Zuwendung und belastetes Personal". Die Finanzierungsnot betreffe zudem besonders Krankenhäuser in unterversorgten Regionen.
Angesichts der schwierigen finanziellen Situation sei die Forderung von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nach höheren Löhnen für Schwestern und Pfleger gänzlich unverständlich, sagte Baum.
Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sieht die Schuld an dem Desaster ebenfalls bei der Regierung: "Die Krankenhäuser bluten aus, wenn jetzt nicht endlich die Patientenversorgung zum Maßstab der Dinge gemacht wird", sagt er. Die Rahmenbedingungen müssten so gestaltet sein, dass auch der Ärztenachwuchs wieder Entwicklungsmöglichkeiten im Krankenhaus sehe.
Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund fordert ein Sofortprogramm des Bundes, um die Finanznot der Kliniken zu lindern. Der Vorsitzende Rudolf Henke erklärt: "Wir sind nicht mehr bereit, mit überlangen Arbeitszeiten und millionenfach unbezahlten Überstunden ein System vom Staat begrenzter Preise zu stützen, das völlig an der Realität vorbeigeht", erklärte er. Henke verwies auf eine Umfrage, nach der 60 Prozent der Klinikärzte gesetzwidrig überlange Arbeitszeiten ableisteten und nur zehn Prozent der Überstunden überhaupt vergütet würden.
ase/Ap/dpa