Studie: Schlechte Noten für virtuelle Marktplätze - DER SPIEGEL
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Studie Schlechte Noten für virtuelle Marktplätze

Die Geschäftsabwicklung über das Internet ist offensichtlich noch lange nicht ausgereift. Die vorhergesagten Einsparungen in Milliardenhöhe werden weiter auf sich warten lassen.
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Hamburg - Der größte Teil der Internetmarktplätze unterstützt die Firmen nicht genug auf dem Weg zum Geschäftsabschluss, wie eine Untersuchung der Hamburger Unternehmensberatung Mummert und Partner ergab. Bisher seien diese Marktplätze eher formlose Foren zum Informationsaustausch, aber keine Handelsplattformen, die tatsächlich Kosten sparten, teilten die Experten mit.

Die Business-to-Business-Marktplätze ("B2B") sollen es den Firmen leichter machen, über das Internet Lieferanten oder Kunden zu finden. Im Idealfall kann das Geschäft gleich über das Internet abgeschlossen werden. Außerdem sollen andere mit dem Geschäft verbundene Aufgaben, wie Logistik, Finanzierung und Versicherung online erledigt werden. Dies könnte den Firmen Milliardenbeträge in der Abwicklung sparen. "Aber das ist zur Zeit so noch nicht möglich", sagte Jörg Forthmann von Mummert und Partner.

Bei der Untersuchung von 20 Marktplätzen waren nur 15 Prozent in der Lage, dem Nutzer in allen Geschäftsphasen zufrieden stellende Hilfe anzubieten. Jeder zweite Marktplatz war nur eine Art Treffpunkt, auf dem die Unternehmen dann hinterher wieder zu Telefon oder Fax greifen mussten, um den Deal anzubahnen. Daher sei fraglich, ob das für 2001 europaweit prognostizierte Umsatzpotenzial von 159 Milliarden Dollar realisiert werden könne. Deutschland wird den Marktanalysen zufolge mit rund 20 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2003 Spitzenreiter in Europa sein.

Obwohl drei von vier Finanzdienstleistern sich in ihren Internetauftritten schon jetzt an Firmenkunden wenden, nutzen Banken und Versicherungen die Potenziale der Marktplätze nur verhalten, so Mummert und Partner Vorstand Wilhelm Alms. Dabei böten diese nicht nur für Angebote rund um die Zahlungsabwicklung eine gute Vermarktungsplattform. Auf Grund des zu erwartenden Imagegewinns liege für Banken die Rolle des Initiators oder Sponsors eines Marktplatzes nahe. Den Versicherern räumen die Verfasser der Studie gute Chancen ein, als Betreiber von E-Commerce-Marktplätzen aufzutreten. Die Kundennähe auf einer solchen Plattform erlaube ihnen im Schadenfall eine gezielte Einflussnahme.

Eine Studie der Marktforscher von eMarketer ergab, dass etwa 80 bis 90 Prozent der Unternehmen bis 2003 das Internet für Einkäufe von Zulieferern nutzen wollen. Eine Studie von Goldman Sachs bestätigt die Ergebnisse von eMarketer. Danach sollen schon jetzt 46 Prozent aller Unternehmen ihre Beschaffung teilweise online abwickeln, heißt es in dem Bericht. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten wollen weitere 29 Prozent dazu übergehen. Höchste Zeit also, dass auch die Anbieter dieser Dienste ihr Angebot entsprechend den Kundenwünschen gestalten.

Auf der Verkäuferseite sieht die Entwicklung denn auch nicht so gut aus, meinen die Experten. Die Studie ergab, dass nur 30 bis 40 Prozent der Unternehmen bis 2003 auch online verkaufen wollen. Besonders kleinere Unternehmen hätten nicht die technischen und finanziellen Voraussetzungen, um erfolgreich auf den E-Marktplätzen zu bestehen.