Studien belegen: Banken benutzten Analystenkommentare zur Anwerbung neuer Kunden - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Studien belegen Banken benutzten Analystenkommentare zur Anwerbung neuer Kunden

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Etliche Studien haben diesen Zusammenhang nachgewiesen, darunter eine brandneue von der SEC. Sie wurde kürzlich vor dem Untersuchungsausschuss im US-Kongress vorgestellt. Demnach haben alle der neun untersuchten Banken ihre Analysten dazu benutzt, neue Kunden für das Investmentbanking zu gewinnen. Ein Viertel der Analysten hielt signifikante Anteile an den von ihnen empfohlenen Firmen. Der Ausschussvorsitzende, der Republikaner Richard Baker, zeigte sich entsetzt über die Ergebnisse. In der "New York Times" drohte er mit schärferer Regulierung: "Wenn sich in der Branche in den nächsten sechs Monaten nichts ändert, dann müssen wir entschieden eingreifen."

Selbstregulierung ist Trumpf

Diesmal könnte die Stärke der Bewegung ausreichen, um die Banken zur Selbstregulierung zu zwingen. Erste Reaktionen gibt es bereits: Im vergangenen Dezember forderte der Chef von Prudential Securities seine Analysten auf, öfter das bisher verpönte S-Wort ("Sell") zu benutzen. Die nationalen Analysten-Vereinigungen verabschiedeten im Sommer einen Ehrenkodex. Bei Goldman Sachs müssen die Analysten neuerdings offen legen, an welchen Firmen sie beteiligt sind. Und Merrill Lynch und Credit Suisse First Boston haben ihren Analysten ganz verboten, Aktien der von ihnen beobachten Unternehmen zu halten.

Kritiker allerdings halten dagegen, dass Selbstverpflichtungen nicht ausreichen. Der Interessenkonflikt innerhalb einer Bank bleibe bestehen. Die einzige Lösung sei daher die Aufspaltung einer Bank in separate Einheiten. Das jedoch wird nicht passieren. Die SEC scheint sich bereits mit der Realität abgefunden zu haben: Statt eine stärkere Kontrolle zu fordern, rät sie Anlegern, immer daran zu denken, dass Analysten keine objektiven Wahrheiten verkünden.