Stühlerücken bei VW Pischetsrieders Großputz
Hamburg / Berlin - Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder macht sich nach dem Abgang von Finanzvorstand Robert Büchelhofer nun an den Umbau von Konzern und Konzernführung.
"Wir starten dabei mit einem weißen Blatt Papier", sagte der Manager der "Financial Times Deutschland". Im neu geordneten Vorstand solle sich die nach Pischetsrieders Amtsantritt in Markengruppen eingeteilte Struktur des Autoherstellers widerspiegeln.
"Wir werden uns die gesamte Organisation anschauen und entscheiden, ob es richtig ist, hier und dort regionale Verantwortungen zu haben und Verantwortungen bei den einzelnen Marken." Pischetsrieder will in diesem Jahr vor allem durch effizientere Konstruktion neuer Autos rund eine Milliarde Euro sparen. Damit beginne sich die Modulstrategie unter Nutzung gleicher Baugruppen für mehrere Modelle auszuzahlen, sagte er der Zeitung.
"Hierarchische Strukturen aufbrechen"
Nach Informationen der Zeitung "Die Welt" gibt es in der Wolfsburger Konzernzentrale inzwischen mehrere Ideen, wie der Konzern umgebaut werden könnte.
So sei als erste Variante eine Holding angedacht, in der die Bereiche Strategie, Planung, Entwicklung, Finanzen und Einkauf gebündelt werden sollen. Dabei bekämen die Leitmarken VW und Audi mehr Verantwortung.
Modell DaimlerChrysler
Diese Vertriebs- und Produktionszuständigkeit würde bedeuten, dass diese Posten in der Konzernführung nicht mehr besetzt werden müssten, schreibt das Blatt weiter. Hierfür spreche, dass Pischetsrieder bislang noch keinen Nachfolger für Büchelhofer benannt habe. Der FTD sagte der VW-Chef: "Wir brauchen eine Funktion, die das Marketing und die Positionierung der Marken koordiniert."
Eine zweite Variante könnte ebenfalls die Verkleinerung des derzeit achtköpfigen Vorstands vorsehen. Dabei würde allerdings gleichzeitig die Bildung eines Ausschusses nach dem Vorbild des Executive Automotive Council bei DaimlerChrysler erwogen, das alle konzernübergreifenden automobilen Themen koordinieren und Potenziale zur Effizienzsteigerung ausmachen soll. Dieses Gremium könnte unter anderem mit den Vorsitzenden der anderen Konzernmarken besetzt werden.
In der vergangenen Woche hatte der Marketingvorstand Robert Büchelhofer seinen Rücktritt eingereicht. Er zog damit die Konsequenz aus den andauernden Streitigkeiten um schwache Absätze bei Volkswagen. Insider vermuten, dass der Vertriebsvorstand auf Betreiben Pischetrieders gegangen worden ist.