Sturmfolgen "Katrina" hält Ölmarkt in Atem
New Orleans/Washington - "Katrina" sorgt am Ölmarkt weiter für Unsicherheit und treibt die Preise. Grund: Wegen des Wirbelsturms mussten zahlreiche Ölplattformen, Häfen, Raffinerien und petrochemische Werke am Golf von Mexiko geschlossen werden. Der Ölpreis ist am Dienstag im asiatischen Handel wieder deutlich gestiegen und über die Marke von 68 Dollar geklettert. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI wurde am Morgen mit 68,15 Dollar gehandelt.
Händler führten den erneuten Anstieg auf die Unsicherheiten über die Auswirkungen des Hurrikans "Katrina" auf die Ölproduktion im Golf von Mexiko - der wichtigsten US-Förderregion - sowie die Raffinerien in Louisiana zurück. Bisher ist nicht klar, ob und wie viele der Bohrinseln und Pipelines beschädigt worden sind und in welchem Umfang. Auch die Schäden an den wichtigen Häfen in Louisiana, Mississippi und Alabama sind noch nicht absehbar.
Im US-Handel war der Ölpreis am Montagabend wegen der Abschwächung des Hurrikans deutlich unter 67 Dollar gefallen. Zuvor hatten der Wirbelsturm und die Furcht vor Produktionsausfällen den Ölpreis auf ein neues Rekordhoch von 70,80 Dollar getrieben
Schwankende Schadenssummen
Versicherern drohen infolge von "Katrina" nach Schätzungen von Experten nicht so hohe Schadenzahlungen wie zunächst erwartet. Die Experten der Risikomodell-Firma Eqecat erwarten nun, dass der Hurrikan versicherte Schäden zwischen neun und 16 Milliarden Dollar verursacht. Zuvor waren sie von zwölf bis 25 Milliarden Dollar ausgegangen.
Andere Experten rechneten mit extremen Schäden in der Katastrophenregion am Golf von Mexiko. Nach ersten Schätzungen könnte "Katrina" sogar mehr als 30 Milliarden Dollar kosten - und damit mehr als Hurrikan "Andrew", der 1992 in Florida und Louisiana 52 Menschen tötete und 100.000 Häuser zerstörte.
Mississippi und Alabama schwer getroffen
Mit sintflutartigen Regenfällen und Windgeschwindigkeiten von gut 230 Stundenkilometern war der Hurrikan am Montag über New Orleans hereingebrochen. Allein in der Gemeinde St. Bernard östlich von New Orleans standen nach ersten Schätzungen 40.000 Häuser unter Wasser. In der Metropole selbst stürzten nach Behördenangaben 20 Häuser ein.
Das Auge des Sturms zog jedoch östlich an New Orleans vorbei. Umso heftiger wurden die Staaten Mississippi und Alabama getroffen, an deren Küsten der Sturm fast sieben Meter hohe Wellen aufpeitschte. In den betroffenen Staaten waren mindestens eine halbe Million Menschen ohne Strom.