Sturmopfer Lloyd Werft: Schiff auf Grund, Werft insolvent - DER SPIEGEL
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Sturmopfer Lloyd Werft Schiff auf Grund, Werft insolvent

In einer Sturmnacht verunglückte die "Pride of America" am Ankerplatz, die Bremerhavener Lloyd Werft hat sich davon nicht erholt: Ihr blieb nur der Insolvenzantrag. Am Mittwoch wird sich zeigen, ob das Unternehmen gerettet werden kann.
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Bremerhaven - Werner Lüken gab die Schuld dem Schicksal und den Norwegern. Bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag betonte der Chef der nun zahlungsunfähigen Werft: "Die Lloyd Werft ist ein florierendes Unternehmen."

Hätte die Reederei Norwegian Cruise Line (NCL) Ende Januar die sechste Rate für das havarierte Schiff "Pride of America" gezahlt - dann gäbe es bei der Lloyd Werft auch keinen Finanz-Engpass, so Lüken. Eine verfehlte Geschäftspolitik jedenfalls sei nicht Schuld an der Insolvenz. Die Werft hatte den Antrag am Vormittag beim Landgericht eingereicht.

"Die losen Enden ließen sich nicht verknoten"

NCL wollte das 280 Meter lange Schiff eigentlich im April abnehmen und vor allem in amerikanischen Gewässern einsetzen. Nach der Havarie vom 14. Januar ist noch immer unklar, ob die Norweger das Schiff überhaupt irgendwann kaufen. Offiziell verpflichtet sind sie dazu nicht mehr, da Lloyd den vereinbarten Liefertermin nicht einhalten kann - noch ist die Bergung nicht abgeschlossen, die Reparatur der Schäden wird das Projekt deutlich verzögern.

Ursprünglich war vereinbart worden, dass NCL während des Bauvorganges Abschlagszahlungen leistet. Die Ende Januar fällige Rate hätte sich auf 37,5 Millionen Euro belaufen. Ungefähr genauso groß ist auch das Finanzloch, das jetzt bei der Lloyd Werft klafft.

Am Wochenende waren Bemühungen gescheitert, eine Zwischenfinanzierung durch Banken und eine Bürgschaft des Landes Bremen zu organisieren. Die Werft-Führung verhandelte mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der Commerzbank   und der Bremer Wirtschaftsbehörde.

Schlagseite nach zwei Jahren Bau

Die Bürgschaft des Landes sollte sich auf rund 15 Millionen Euro belaufen. Grund für das Scheitern der Gespräche war, dass die Norweger noch immer bekannt gegeben haben, ob sie die "Pride of America" abnehmen wollen. "Die losen Enden ließen sich nicht rechtzeitig verknoten", bedauerte Lüken.

Entscheidend für die Zukunft der Werft wird jetzt die Bergung des Unglücksschiffes sein. Sie soll in der kommenden Woche abgeschlossen werden. Schon am Mittwoch ist ein Gespräch mit NCL angesetzt. Lüken hofft, dass sich die Norweger dann endlich schriftlich auf die Abnahme verpflichten. Dass NCL vom Vertrag zurücktrete, sei "sehr unwahrscheinlich", sagte er.

Die 300 Millionen Euro teure "Pride" hatte in der Nacht zum 14. Januar nach einem Wassereinbruch Schlagseite bekommen und war auf den Grund abgesackt. Die Bergung gestaltete sich aus Sicherheitsgründen schwierig. Die genaue Unfallursache, die Schuldfrage und die Höhe des Schadens sind daher noch immer ungeklärt.

"Um die wird mir jetzt angst und bange"

Die Lloyd Werft arbeitet seit rund zwei Jahren an dem Auftrag. Sie baut den Kreuzfahrer aus einem halbfertigen Schiff auf; unter anderem wurde der unvollendete Rumpf komplettiert und von 255 auf rund 280 Meter verlängert.

Der Betriebsratsvorsitzende der Werft, Klaus Rosche, äußerte sich am Montag optimistisch. "Da der Bremer Senat einstimmig beschlossen hat, die Werft zu stützen, ist die Perspektive gelegt, hier weiter zu arbeiten." Keiner der 530 Mitarbeiter müsse nach Hause gehen, betonte er. Löhne und Gehälter seien nach Insolvenzrecht zunächst für die kommenden drei Monate gesichert.

Bremens Wirtschaftssenator Hartmut Perschau hatte am Morgen in einer Betriebsversammlung betont, der Senat habe größtes Interesse, die Lloyd Werft als "vitales Unternehmen zu erhalten". Der aus Bremerhaven stammende Finanzsenator Ulrich Nussbaum erklärte, es handele sich um eine leistungsfähige Werft mit Perspektive. In ihrem Marktsegment genieße sie einen hervorragenden Ruf. Er sehe trotz der Insolvenz eine große Chance, den Betrieb fortzusetzen.

Tradition seit 1863

Eine schnelle Lösung verlangte die IG Metall, die Arbeitsplätze auf der Werft und in der Zulieferindustrie erhalten will. "Mindestens 1500 Beschäftigte in Bremerhaven und dem Umland hängen an dem Netzwerk der Werft. Um die wird mir jetzt angst und bange", sagte Gewerkschafter Karsten Behrenwald.

Als Insolvenzverwalter wurde Wolfgang van Betteray aus Düsseldorf bestellt, einer der bekanntesten Insolvenzspezialisten Deutschlands. Van Betteray war unter anderem auch nach der Pleite der KirchGruppe aktiv geworden. Nach dem Konkurs des Bremer Vulkan-Verbundes 1996 war er schon einmal Vergleichsverwalter der Lloyd Werft und führte sie aus der Krise. Damals hatten schwere Management-Fehler die Krise ausgelöst.

Neben dem Bau der "Pride of America" ist die Lloyd Werft derzeit mit zwei weiteren Projekten befasst - sie überholt zwei Fährschiffe. Im Mai wird das Kreuzfahrtschiff "Queen Elizabeth" zur Reparatur erwartet. Die Geschichte der Werft reicht bis ins Jahr 1863 zurück. Damals ließ der Norddeutsche Lloyd in Bremerhaven Reparaturwerkstätten errichten. Wenig später folgte der Bau großer Trockendocks, in denen während des Ersten Weltkriegs Frachter zu Kriegsschiffen umgerüstet wurden.

Internationalen Weltruf hat sich die Werft mit der pünktlichen Ablieferung zeitlich knapp kalkulierter Schiffsumbauten verschafft. In Rekordzeit reparierte die Werft Schiffsriesen wie die 330 Meter lange "Queen Elizabeth 2" der britischen Cunard-Reederei oder baute den Stolz der Franzosen, die "France", zur "Norway" um.