Sturmschäden: Baumärkte rechnen mit Kundenansturm - DER SPIEGEL
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Sturmschäden Baumärkte rechnen mit Kundenansturm

Nach den Schäden durch den Orkan "Kyrill" erwarten die Baumärkte einen regelrechten Kundenansturm. Auch sonst könnte die Wirtschaft von dem Sturm profitieren: Ökonomen erwarten Impulse für die Konjunktur.
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Köln/Hamburg - Es sei mit einem erhöhten Bedarf an Motorsägen, Bohrmaschinen sowie Baumaterialien aller Art zu rechnen, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte (BHB), John W. Herbert, heute in Köln nach einer Blitzumfrage unter den führenden deutschen Baumärkten. Es sei zu erwarten, dass die Verbraucher einfachere Schäden am Haus oder im Garten selbst beheben wollten und dazu "als erstes in die Baumärkte laufen".

Einen erhöhten Absatz werde es voraussichtlich auch für Zäune, Planen, Holz und Dachplatten geben. Damit wird dem BHB zufolge der Umsatzeinbruch vom Donnerstag, an dem wegen des Sturms kaum Kunden in die Märkte kamen, mehr als wettgemacht: "Wir werden ein bisschen profitieren", sagte Herbert.

Für die Betroffenen sind Sachschäden durch Naturkatastrophen oft bitter - für die Konjunktur dagegen können sie durchaus gut sein. Denn die notwendigen Investitionen in den Wiederaufbau kurbeln die Wirtschaft an. Außerdem werden diese Investitionen bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts berücksichtigt; Vermögensverluste hingegen bleiben selbst in Milliardenhöhe außen vor.

"Wenn Häuser oder wichtige Infrastruktur wie Straßen zerstört werden, dann wird umgehend wieder aufgebaut", sagt Volkswirt Sebastian Wanke von der DekaBank. Zur Schadensbehebung sind Privatpersonen, Firmen und der Staat zu Investitionen gezwungen. "Das kann der Wirtschaft Impulse geben", ergänzt Marco Bargel von der Postbank.

Nach dem Hochwasser 2002 stieg die Wirtschaftsleistung

Dem stehen Produktionsausfälle gegenüber. "Die negativen Auswirkungen sind zeitlich zumeist eng begrenzt, da die Schäden in der Regel schnell behoben werden können und müssen", sagt Bargel. Liegen gebliebene Arbeiten können außerdem nachgearbeitet und Rückstände wieder aufgeholt werden. Werden zerstörte ältere Maschinen und Anlagen durch modernere Geräte ersetzt, erhöht das die Produktivität.

Von Reparaturmaßnahmen profitieren besonders das Handwerk und die Bauwirtschaft. Nachgewiesen haben das die Forscher der Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts am Beispiel des Jahrhunderthochwassers vom Sommer 2002, das Schäden in Milliardenhöhe verursachte. Die enormen Investitionen hoben das Bruttoinlandsprodukt des Freistaates Sachsen im selben Jahr und auch 2003 noch an.

Besonders das Baugewerbe legte spürbar zu. "Der Mitte der neunziger Jahre begonnene Abwärtstrend der Branche in Sachsen wurde dank der Flut plötzlich gestoppt", sagt Gerit Vogt vom Ifo-Institut. Auch der Einzelhandel verzeichnete ein Plus. "Es musste Ersatz beschafft werden, von zerstörten Möbeln bis hin zu aufgetauter Tiefkühlkost."

wal/dpa-AFX/Reuters