Sturmschock Experten rechnen mit höheren Spritpreisen
Berlin/Hamburg/Washington - Wenn die amerikanischen Ölförderanlagen im Golf von Mexiko durch den Sturm beschädigt und ihre Förderung gedrosselt werde, dann würden die USA versuchen, auf dem Weltmarkt mehr Öl einzukaufen, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer der "Berliner Zeitung". Dies werde den Rohölpreis weiter treiben. "Die Folge wird sein, dass die deutschen Autofahrer an den Tankstellen für Kraftstoff stärker zur Kasse gebeten werden", sagte Meyer.
Tatsächlich haben die nervösen internationalen Ölmärkte die Benzinpreise in Deutschland auf Rekordstände angehoben. Nach einer Preisrunde gestern Abend kostet Superbenzin im bundesweiten Durchschnitt an Markentankstellen erstmals mehr als 1,32 Euro je Liter, teilten Sprecher der Mineralölwirtschaft heute mit. Für einen Liter Diesel müssen die Autofahrer gut 1,14 Euro bezahlen, was dem bisherigen Höchststand entspricht.
Der Ölpreis war wegen der Stürme am Montag zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch von mehr als 70 Dollar gestiegen. Am Dienstagmorgen blieb der Preis im asiatischen Handel auf hohem Niveau, überschritt jedoch nicht mehr die 70-Dollar-Marke. In Singapur kostete ein Barrel der Sorte Light Sweet Crude 68,45 Dollar. Das waren 1,25 Dollar mehr als zum Handelsschluss in New York.
Unklarheit über Schäden in der Ölindustrie
Händler führten den erneuten Anstieg auf die Unsicherheiten über die Auswirkungen des Hurrikans "Katrina" auf die Ölproduktion im Golf von Mexiko - der wichtigsten US-Förderregion - sowie auf die Raffinerien zurück. Bisher ist nicht klar, ob und wie viele der Bohrinseln und Pipelines im Golf von Mexiko beschädigt worden sind und in welchem Umfang. Auch die Schäden in den wichtigen Häfen in Louisiana, Mississippi und Alabama sind noch nicht absehbar.
In dem von dem Hurrikan betroffenen Bundesstaat Louisiana gibt es 17 Raffinerien, die pro Tag 2,8 Millionen Barrel verarbeiten können. Nach den jüngsten verfügbaren Daten vom Samstag hatten sieben der Ölverarbeitungsstätten wegen des Wirbelsturms ihre Arbeit eingestellt.
Einige Ökonomen warnen bereits vor Folgen für die US-Wirtschaft insgesamt. Demnach zeigt die Konjunktur in Amerika schon jetzt Schwächen, die sich bei steigenden Ölpreisen noch verstärken könnten. "Die Folgen für die Binnennachfrage wären dramatisch", heißt es beim Marktforschungsinstitut Global Insight. Die USA sind mit Abstand der größte Ölverbraucher der Welt.
US-Regierung will strategische Reserven anzapfen
Die US-Regierung erwägt wegen des Sturms, die strategischen Ölreserven anzuzapfen. Voraussetzung sei, dass die nationalen Raffinerien dies verlangten. "Wir stehen in Kontakt mit den Ölraffinerien", sagte ein Sprecher des US-Energieministeriums.
Auch Saudi-Arabien kündigte Unterstützung an. Der Ölminister des Landes, Ali Naimi, hat erklärt, dass er die Hurrikan-Wirkungen auf den Ölmarkt genau beobachte und alle Förderausfälle ersetzen könne. Saudi-Arabien ist der weltgrößte Ölexporteur und das einzige Land, das über nennenswerte Förderreserven verfügt.