Subventionsstreit US-Flugzeugbauer attackieren Airbus
Paris - Der europäische Flugzeugbauer habe nicht einmal die Verhandlungen abgewartet, um staatliche Anschubkredite für sein neues Programm A350 zu beantragen, schrieb der Chef des US-Branchenverbandes American Institute of Aeronautics and Astronautics (AIAA), John W. Douglass, in der Zeitung "Le Monde". Das sei "Besorgnis erregend".
Airbus hatte vergangene Woche bei der französischen Regierung einen Fördermittelantrag zum Bau des Langstreckenflugzeugs A350 eingereicht. Die Maschine gilt als direkter Konkurrent der 787, dem neuen Hoffnungsträger des US-Flugzeugbauers Boeing. Airbus hatte bereits zuvor angekündigt, dass ein Antrag mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro geplant sei.
"Eintracht nährt, Unfriede verzehrt"
Beobachter fürchten, dass der Antrag den laufenden Streit zwischen der EU und den USA über staatliche Finanzbeihilfen für Flugzeugbauer weiter zuspitzt. Der US-Senat hatte die Europäer bereits zuvor vor neuen Subventionen für Airbus gewarnt. Andernfalls werde Washington die Angelegenheit vor die Welthandelsorganisation WTO bringen.
Die USA und die EU streiten seit langem über offene oder indirekte staatliche Unterstützung für Airbus und seinen amerikanischen Konkurrenten Boeing. Beide Seiten werfen sich vor, den Wettbewerb zu verzerren.
AIAA-Chef Douglass wies nun den Vergleich der Anschubkredite mit US-Subventionen für die Raumfahrt- und Militärprogramme von Boeing zurück. Die Airbus-Mutterkonzerne EADS und BAE Systems hätten "in vergleichbarer Höhe von Verträgen der Raumfahrtindustrie und des Militärs profitiert". Amerikaner und Europäer dürften ihre Beziehung nicht länger mit dem Streit belasten, schrieb Douglass weiter, und schloss mit dem deutschen Sprichwort: "Eintracht nährt, Unfriede verzehrt."
Airbus A380: Und sie bewegt sich doch...
Erst am Sonntag hatte eine von Boeing finanzierte Studie über den A380 den Subventionsstreit zusätzlich angeheizt. Wenige Tage vor dem ersten Testflug des Superairbus berichtete die "Sunday Times" unter Berufung auf die Untersuchung, der A380 werde von der Erstauslieferung 2006 bis 2025 rund 8,1 Milliarden Dollar Verlust einfliegen.
Airbus werde die Starthilfe-Kredite von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien nicht tilgen können. Boeing habe den Inhalt der Studie nicht beeinflusst, hieß es weiter. Airbus wies die Aussagen zurück. "Der A380 wird ein sehr profitables Programm", erklärte der europäische Flugzeugbauer.
Die Tests vor dem Jungfernflug des Großraumjets A380 laufen weiter. Nach ersten Rollversuchen wird die Maschine heute oder in den kommenden Tagen erstmals bis zur Startgeschwindigkeit am Boden beschleunigen. Das größte Verkehrsflugzeug aller Zeiten solle dafür die drei Kilometer lange Concorde-Piste der Airbus-Flugwerft nutzen, verlautete aus Kreisen des Flugzeugherstellers in Toulouse. Wenn alles gut gehe, könne der erste Erprobungsflug zwischen dem 22. und 26. April stattfinden.