Swissair: Flugbetrieb in Gefahr - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Swissair Flugbetrieb in Gefahr

Die Swissair ringt ums Überleben. Die Aktie ist vom Handel ausgesetzt, Flüge für diese Woche werden nicht bestätigt. Zwei Großbanken wollen jedoch versuchen, die zahlungsunfähige Airline zu retten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zürich/Bern - Der angeschlagenen Fluggesellschaft ist es offenbar nicht mehr möglich, Flüge für diese Woche zu bestätigen. Swissair-Mitarbeiter versuchten am Montag, besorgte Passagiere um einen Tag zu vertrösten. Man hoffe darauf, von Dienstag an wieder die Einhaltung des gesamten Flugplans gewährleisten zu können, hieß es. Am Montag wurde der Flugbetrieb normal weitergeführt.

Nach Angaben von Swissair-Sprecher Patrick Jeandrain, ist der Handel mit Swissair-Aktien für den gesamten Montag unterbunden. Am Mittag wollte sich die Schweizer Regierung in einer Sondersitzung mit der Situation der Swissair befassen.

UBS-Sprecher Michael Willi sagte am Sonntag am Rande von Beratungen in Bern, die Banken wollten 51 Prozent des erforderlichen Rettungskapitals übernehmen.

Über die Höhe der erforderlichen Zahlung wollte er keine Angaben machen. Noch seien keine Einzelheiten des Rettungsplans geregelt. Die Sprecherin von Credit Suisse Group, Karin Rhomberg, sagte, dass eine "partnerschaftliche Lösung" zwischen beiden Großbanken im Vordergrund stehe. Entschieden sei aber noch nichts.

Die Bankenvertreter waren am Nachmittag mit der Führung der Swissair und der Schweizer Regierung zu Beratungen zusammengekommen. Die Fluggesellschaft ist praktisch zahlungsunfähig: An diesem Montag müssen 200 Millionen Franken (264 Millionen Mark) an die belgische Luftfahrtgesellschaft Sabena überwiesen werden, an der die Swissair mit knapp 50 Prozent beteiligt ist. Dieses Geld ist derzeit nicht vorhanden.

Schon das ganze Wochenende gab es Krisensitzungen zur Rettung der Luftgesellschaft mit 72.000 Beschäftigten. Nach Informationen der "SonntagsZeitung" soll die Swissair in Teilkonkurs gehen, die überlebensfähigen Teile aber von ihrer Tochter Crossair aufgefangen werden. An der Regionalfluglinie mit Sitz in Basel ist die Swissair mit 70,4 Prozent beteiligt.

Swissair-Chef Mario Corti hatte bereits eingeräumt, dass der die Oktober-Löhne wegen des Liquiditätsengpasses nicht mehr garantieren kann. In Medienberichten vom Sonntag hieß es, das Sanierungspaket der Swissair würde 12 Milliarden Franken kosten. Die Swissair-Holding soll sogar 17 Milliarden Franken Schulden haben.

Allein durch die Ausfälle seit den Attentaten in den USA am 11. September fehlten 65 Millionen Franken in der Kasse. Die von der Credit Suisse First Boston, der Deutschen Bank und der City Bank in Aussicht gestellte Kreditlinie von einer Milliarde Franken stehe wegen der unsicheren Geschäftslage nicht zur Verfügung, sagte Corti in Interviews.