Swissair Nichts geht mehr
Zürich - Die Swissair hat den Flugverkehr auf unbestimmte Zeit eingestellt. Am Nachmittag hatten Vertreter der Fluglinie in London noch versucht, bei verschiedenen Großbanken neue Kredite locker zu machen, um den Flugbetrieb weiter aufrecht erhalten zu können. Doch es half alles nichts.
Trauriges Ende eines Mythos
Während in London noch verhandelt wurde, warteten in Zürich mehrere Hundert Passagiere auf ihre Flüge. Die Anzeigetafel in der Abflughalle des Terminals A am Flughafen Zürich-Kloten war am Dienstag ein Sinnbild für die Zerstörung des Mythos Swissair. Außer Annullierungen und Verspätungen hatte der einstige Nationalstolz den Passagieren nichts mehr zu bieten. Statt Wut herrschte Ratlosigkeit. Flugreisende mit Gepäck und den gültigen Swissair-Tickets in der Hand blickten zur Anzeigetafel hoch und suchten nach ihrem Flug, hinter dem aber nur das gelbe Zeichen `annulliert" oder `verspätet" aufleuchtete. Während die einen sofort eine Telefonzelle aufsuchten oder das Handy aus der Tasche zückten, fanden sich andere am Swissair-Schalter ein, um ihre Flüge umzubuchen. Wieder andere stellten sich auf eine ungewiss lange Wartezeit ein oder gingen gleich wieder nach Hause.
Swissair sieht sich derzeit nicht in der Lage, 200 Millionen Franken (264 Millionen Mark) an die belgische Tochter Sabena zu zahlen. Aus Angst vor gerichtlichen Schritten in Belgien fliegen seit Montagabend bis mindestens Dienstagmittag keine Swissair-Maschinen mehr dorthin. Die belgische Regierung hatte am Montagabend eine mögliche Beschlagnahmung von Swissair-Eigentum angedeutet.
Vier Flüge sind bereits definitiv gestrichen, betroffen sind davon insgesamt 643 Passagiere. Ein Teil von ihnen werde auf Sabena-Maschinen umsteigen können, heißt es in einer Swissair-Mitteilung. Die Sabena, die normalerweise nur Genf anfliegt, werde Dienstag ausnahmsweise auch in Zürich-Kloten landen, sagte ein Swissair-Sprecher.
Swissair künftig nur noch Tochter
Am Montagabend hatte der Swissair-Verwaltungsrat beschlossen, die Traditionsfluglinie mit der Regionalflugtochter Crossair zusammenzulegen. Spätestens bis zum Beginn des Winterflugplans am 28. Oktober 2001 übernehme Crossair Teile des Swissair-Flugbetriebs, erklärte Konzernchef Mario Corti am Montag in Zürich. An der Crossair hält die Schweizer Traditionsfluglinie eine 70-Prozent-Beteiligung. Es werden laut Corti 2560 Arbeitsplätze abgebaut, davon 1750 in der Schweiz.
Um die Transaktion möglich zu machen, werden die Schweizer Großbanken UBS und Crédit Suisse der Swissair das Crossair-Paket zum Börsenkurs abkaufen, wie Corti weiter sagte. Anschließend werden etwa zwei Drittel des Swissair-Fluggeschäftes auf die Crossair übertragen. Für die übrigen Konzernteile SAirGroup, SAirLines und FligthLease sei vorgesehen, Antrag auf die Eröffnung eines Vergleichsverfahrens zu stellen, sagte Corti weiter.
Die Krise der internationalen Zivilluftfahrt nach den Anschlägen in den USA am 11. September habe die Krise der Swissair existenzbedrohend gesteigert. "Das hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass wir da sind, wo wir heute sind", sagte Corti. Das gelte auch für die Flug-Nebenbetriebe der Swissair wie etwa Gate Gourmet, die Flugverpflegung liefert.
Die beiden Großbanken wollen die neue Crossair massiv unterstützen. Als Sofortmaßnahme werden 500 Millionen Schweizer Franken an zusätzlichem Betriebskapital bereitgestellt. Außerdem erklärten sich die Kreditinstitute bereit, bei einer Kapitalerhöhung 350 Millionen Schweizer Franken zu zeichnen. SAirLines soll einen Überbrückungskredit von 250 Millionen Schweizer Franken erhalten, um den Flugbetrieb aufrecht erhalten zu können.